Von großen und kleinen Gefühlen
Liebhaber des französischen Lieds, der mélodie, werden bei dieser CD ins Schwärmen geraten. Véronique Gens gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den renommiertesten Interpretinnen der Barockoper, feiert aber auch mit Gluck, Mozart und französischer Musik des 19. Jahrhunderts Erfolge. Als Liedsängerin macht sie sich rar. Die einzigen einschlägigen CDs, Berlioz’ «Les nuits d’été» sowie ein Programm mit Liedern von Fauré, Debussy und Poulenc, liegen bereits 15 Jahre zurück, gehören neben den Aufnahmen von Sandrine Piau aber zu den herausragenden Recitals in diesem Repertoire.
Jetzt hat die Sopranistin 24 Lieder von Ernest Chausson, Henri Duparc und Reynaldo Hahn zu einem Bouquet zusammengebunden – Komponisten, die zwar im Schatten von Debussy und Ravel stehen, die als Kleinmeister abzutun aber weder ihrer liedgeschichtlichen Bedeutung noch ihrer musikalischen Qualität gerecht wird. Insbesondere die Lieder von Hahn, darunter fünf historisierende Pastiches aus den 1900 veröffentlichten «Études latines», sind faszinierende Beispiele eines gleichermaßen schlichten wie artistischen Umgangs mit den Stilmodellen der damals gerade wiederentdeckten Barockmusik. Gens singt sie, im Ausdruck ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Uwe Schweikert
Klaus-Peter Kehr war der Erste. Der Mannheimer Opernintendant hatte die emotionale Tiefe, den glühenden Klang, das brillante Theaterhandwerk Mieczyslaw Weinbergs schon erkannt, als der polnisch-russische Komponist im westlichen Musikbetrieb noch ein unbeschriebenes Blatt war. Und sich für sein Haus gleich dessen opus summum, die 1986 abgeschlossene, aber in ihrer...
Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck...
Die Visitenkarte noch vor der offiziellen Amtseinführung – so stellt sich der erste Mitschnitt des London Symphony Orchestra mit seinem künftigen Chef Simon Rattle dar, der nun beim orchestereigenen Label veröffentlicht worden ist. Thema ist Robert Schumanns genial-befremdliches Oratorium «Das Paradies und die Peri», in dem einige Dirigenten sein bestes Werk für...
