Vom Grund der Seele

Daniela Dessì über Frauenfiguren des Verismo, Tücken der Besetzungspolitik und den Umgang mit Stilwechseln

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Signora Dessì, Sie werden derzeit als eine der führenden Sopran-Interpretinnen des Verismo gefeiert. Haben Sie eine persön­liche Affinität zu diesem Repertoire?
Ist das so? Ich singe eigentlich die ganze italienische Literatur. Während der letzten Jahre vor allem Verdi und Puccini, daneben auch Cilea, Leoncavallo und Giordano. Wenn ich an frühere Phasen meiner Karriere zurückdenke, so waren Komponisten des Barock die Hauptfiguren: Monteverdi, Pergolesi, Cimarosa und so weiter.

Ich habe auch viel Mozart gesungen, die Contessa im «Figaro» oder die Elvira in «Don Giovanni». Donizetti und Rossini gehören ebenfalls zu meiner, sagen wir: sängerischen Sozialisa­tion. Einerseits bin ich also nicht ganz glücklich mit der Einordnung in die Ve­rismo-Schublade. Andererseits genieße ich aber den Primadonnen-Touch, der sich mit diesen Partien verbindet. Sie sind so geschrieben, dass beinahe alle Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme und der Darstellung auf der Bühne zum Zuge kommen. Und das macht großen Spaß.

Die von Ihnen am häufigsten gesungene Verismo-Partie ist die der Maddalena aus Giordanos «Andrea Chénier». Worin besteht für Sie der besondere Reiz, das spezifische Gewicht gerade dieser Rolle?
Ge ...

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Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Interview, Seite 56
von Albrecht Thiemann

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