Mutmaßungen über den Zeitgeist

Im Labor: Ludger Vollmers «Crusades» in Freiburg, Moritz Eggerts «Freax» in Regensburg, Avner Dormans «Wahnfried» in Karlsruhe

In gewissem Sinne spiegeln Opern, wie Kunstwerke überhaupt, immer auch den Geist ihrer Entstehungszeit. Schärfer scheint sich das zu profilieren in Stücken, die aktuelle Tendenzen oder Ereignisse behandeln. In den 1920er-Jahren entstand eine Reihe prompt erfolgreicher Werke, die als «Zeitopern» in die Geschichte eingingen: Kreneks «Jonny spielt auf» (über das Phänomen «Neger»-Jazz), Hindemiths «Neues vom Tage» (über die urbane Beschleunigung) oder Weills  «Mahagonny» (über die lustvoll-katastrophische Entfesselung des Kapitalismus).

So kurzlebig viele solcher zeitdiagnostischen Musiktheater-Interventionen auch waren: Sie fanden seit dem späten 20. Jahrhundert durchaus Nachfolger, vor allem im Umfeld der aus Amerika kommenden Minimal Music – Titel wie John Adams’ «Nixon in China», Gerhard Rosenfelds «Kniefall in Warschau» oder Erkki-Sven Tüürs «Wallenberg».

Drei Uraufführungen an deutschen Opernbühnen innerhalb weniger Tage regen jetzt dazu an, vor dem «Zeitgeist»-Hintergrund nach bewährten oder neuen Kriterien zur Legitimation solcher Bemühungen zu fragen. War es symptomatisch oder nicht, dass alle drei Stücke sich als publikumsfreundlich deklarierten? Dass sie frei waren von ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Hans-Klaus Jungheinrich