Vitale Gattung

Unter den derzeit erhältlichen Opernführern in deutscher Sprache ist dieser mit Sicherheit der gewichtigste. Über 5000 Gramm wiegt der Band und hat knapp tausend Seiten. Das von dem ungarischen Musikwissenschaftler und -journalisten herausgegebene Werk erschien vor zehn Jahren zum ersten Mal und liegt nun in einer von Matthias Heilmann erarbeiteten, aktualisierten Neuausgabe vor. In dieser Form stellt es mehr als 350 Opern von rund 140 Komponisten vor (darunter viele Zeitgenossen wie Eötvös, Lachenmann, Reimann und Rihm).

Die Auswahl der Stücke orientiert sich an der ästhetischen Bedeutung, nicht nur an der Spielplanstatistik. Ein Team aus meist ungarischen Publizisten (Gesamtlektorat: Sigrid Neef) stellt vor allem die Handlungen vor. Die sich anschließenden Werkkommentare schwanken sehr in Länge und Anspruch (Delibes «Lakmé» erhält mehr Platz als Debussys «Pelléas».) Hervorzuheben sind die leicht verständlich gehaltenen Einführungen zu Werken des 20. Jahrhunderts und zu erst spät wirklich entdeckten Opernkomponisten wie Cavalli oder Berlioz. Das Buch wendet sich einerseits an interessierte Laien («Zu den Aufgaben eines Dirigenten gehört es unter anderem, das richtige Tempo ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 36
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wenn niemand zuhört, nirgends

Das mythische Personal der griechischen Antike zählt seit jeher zu den wichtigsten Quellen des Musiktheaters. Das gilt nicht nur für die Barockoper und Schlüsselwerke des Fin de Siècle, sondern auch für zeitgenössische Entwürfe, welche die Konventionen und Rituale des Genres grundlegend in Frage stellen. Dass dabei eher gebrochene, an den Rand gedrängte Figuren ins...

Die beste aller Welten

Um herauszufinden, ob dies tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist, kommen die Protagonisten in Leonard Bernsteins «Candide» ganz schön rum: Westfalen, Bulgarien, Lissabon, Paris, Südamerika, Eldorado. Das Stück selbst reist nicht annähernd so viel: Es gilt, auch wegen der vielen Ortswechsel, als schwierig zu inszenieren und steht – zu Unrecht – im...

Ein Getriebener

In der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag ist Walter Raffeiner gestorben. Erinnert man sich an dieses Kraftpaket, an dieses Energiebündel und an diesen Streitlustigen, der sich am Leben rieb, ja, mit ihm stritt, fällt einem insbesondere sein Parsifal ein, den er unter Michael Gielen in der Regie von Ruth Berghaus gestaltete, aber auch sein...