Verwirrung der Gefühle
Der Dichter spricht. Oder präziser: Er schreibt – und das mit jener sowohl dem Gegenstand als auch der Adressatin seiner Betrachtungen angemessenen Euphorie: «Ja, meine Geliebte, hier bin ich endlich angekommen, hier, wo ich schon lang einmal hätte sein sollen, manche Schicksale meines Lebens wären linder geworden. Doch wer kann das sagen, und wenn ich’s gestehen soll, so hätt ich mir’s nicht eher, nicht ein halb Jahr eher wünschen dürfen.»
Wer je Goethes «Italienische Reise» zur Hand nahm, kennt diese (an Charlotte von Stein) gerichteten Zeilen. Es ist der 15.
September 1786, der Poet soeben in Verona eingetroffen, seiner ersten wichtigen Station jenseits der Alpen, und schon am nächsten Tag fühlt er sich ersichtlich pudelwohl: «Nach und nach find ich mich. Ich lasse alles ganz sachte werden, und bald werd ich mich von dem Sprung über die Gebirge erholt haben. Ich gehe nach meiner Gewohnheit nur so herum, sehe alles still an und empfange und behalte einen schönen Eindruck...»
Ach, es ist ein herrliches Gebilde aus Worten und Gedanken und Gefühlen, dieses Reisetagebuch. Und man kommt kaum umhin, (schmerzvoll) daran erinnert zu werden, hat man die ersten Seiten des Romans «Der ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 35
von Jürgen Otten
Unter den 768 Werken von Franz Liszt, die in Grove’s Dictionary of Music verzeichnet sind, finden sich rund achtzig Lieder – von Nummer 269 bis 350. Bevor er das erste schrieb («Angiolin»), hatte er schon Lieder von Rossini, dann vor allem von Schubert transkribiert. Über seine frühen Lieder bemerkte Liszt in einem Brief, sie seien «meistens zu aufgebläht...
Um Carl Orff ist es still geworden – mit Ausnahme des Welterfolgs der «Carmina Burana», und der findet nicht auf dem Theater statt. Blättert man die aktuellen Spielpläne der deutschsprachigen Opernhäuser im Jahrbuch «Oper 2011» dieser Zeitschrift durch, so ist das Ergebnis weitgehend Fehlanzeige. Mit Ausnahme Darmstadts, wo John Dew seit Jahren Orff spielt und...
Diese erste Premiere nach dem Abgang von Kirsten Harms als Intendantin hätte ein Signal des Aufbruchs werden können. Diese Chance wurde verschenkt. Das begann schon mit der Entscheidung für die landläufig gespielte vieraktige Fassung von Verdis «Don Carlo», die zwar musikalisch, aber weniger dramaturgisch stringent ist. Das setzte sich fort mit der Wahl des...
