Verunglückt, verbessert, angesäuert
Über die Krise des Verdi-Gesangs lässt sich wohlfeil klagen. Ausgeblendet wird dabei meist eine nicht minder bedenkliche Krise der Verdi-Regie. Diese letztere Krise greift besonders dann, wenn die Produktionen eine gewisse Etat- und Gagenklasse überschreiten. Vor allem davon künden die hier vorgestellten DVD-Neuerscheinungen, egal ob sie Aufführungen von 2008 oder 1978 konservieren.
Man nehme etwa den 1978er-«Troubadour» aus der Wiener Staatsoper.
Eine legendäre Aufführung, verließ doch Franco Bonisolli während der Generalprobe wutschnaubend die Bühne und wurde in späteren Aufführungen durch Plácido Domingo ersetzt. Der befand sich auf dem Karrierezenit, obgleich er in der Stretta etwas nervös attackiert. Doch allein sein verführerisches «Ah si ben mio» ist den Kauf der DVD wert. Raina Kabaivanska ist eine Leonora ohne Tricks: genau im Ansatz, klug und nobel in der Phrasierung, was Substanzverluste in tieferen Lagen ausgleicht. Piero Cappuccilli (Luna) vertraut auf Vokalmuskelspiele, Fiorenza Cossotto auf die Expressivität der Stummfilmzeit, während José van Dam als Ferrando den Kollegen zeigt, was makellose Stimmkultur eigentlich bedeutet. Herbert von Karajans kraftvoll-saftige ...
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Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu....
