Vertane Chance
Es wäre sicher ein spannendes Unterfangen, die einzelnen Stränge des Blaubart-Stoffes zu verfolgen, von Charles Perraults erster bekannter schriftlicher Fixierung im Jahr 1697 über die von Grétry vertonte Fassung Michel-Jean Sédaines im Revolutionsjahr 1789, über den deutschen Ludwig Tieck bis hin zu Maurice Maeterlinck, der die Vorlage für Paul Dukas’ 1907 uraufgeführte Oper «Ariane et Barbe-Bleue» lieferte.
An Lob für dieses musikalische Märchen in drei Akten hat es nie gemangelt; Vincent d’Indy hat es einmal «das bedeutendste musik-dramatische Werk nach Wagner» genannt. Umso erstaunlicher dagegen, dass diese Oper bislang so selten auf Tonträger festgehalten wurde. Ob es womöglich daran liegt, dass die beiden Hauptpartien – die der Ariane und ihrer Amme – für Mezzosopran und Alt geschrieben sind? Also kein Sopran, und auch kein Tenor. Auf jeden Fall wäre die Zeit reif für eine Neueinspielung von Format, denn nennenswert sind lediglich zwei vorwiegend französisch besetzte Produktionen – unter Tony Aubin 1968 und unter Armin Jordan 1983. Beide Aufnahmen sind nicht immer im Handel erhältlich.
Im Januar 2007 haben Leon Botstein und das BBC Symphony Orchestra Dukas’ einzige Oper für ...
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Als Joan Sutherland 1969 in Hamburg als Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» ihr lange erwartetes Deutschland-Debüt gab, charakterisierte Horst Koegler ihre Erscheinung in der «Stuttgarter Zeitung» folgendermaßen: «Von Gestalt eher eine Walküre ... mit einem etwas planen Gesicht und molligen Armen ... bewegt sie sich mit der Grazie einer leicht übergewichtigen...
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
In der Szene beim Doktor hängt der Titelheld an demselben Schlachterhaken, an dem zuvor eine tote Sau gebaumelt hat. Will sagen: Wozzeck ist ein armes Schwein – so, auf den drastischen Punkt gebracht, lautet die metaphorisch verbrämte Aussage des Regie führenden Flensburger Operndirektors Jan-Richard Kehl. Und so schickt er seinen Wozzeck denn auch durch die...
