Vertan und versungen
Die historische Aufführungspraxis hat sich inzwischen auch an den Musikhochschulen fest etabliert. Wichtig aber ist, dass die Studenten möglichst rasch auch in Ensembles miteinander zu spielen, in der Gruppe Phrasierungen und Dynamiken zu entwickeln lernen.
An der Münchner Musikhochschule leistet das seit 2014 die Accademia di Monaco, die Joachim Tschiedel, stellvertretender Leiter des Studiengangs Musiktheater an der Bayerischen Theaterakademie, und Mary Utiger, Professorin für Barockgeige an der Münchner Musikhochschule, gemeinsam gegründet haben: Studenten und junge Absolventen spielen mit Profi-Gästen zusammen, die eine «musikalische Patenschaft» übernehmen – als eine Art Schnarnier zwischen Studium und Beruf. Ein programmatischer Schwerpunkt liegt auf den Zeitgenossen und Weggefährten Mozarts. Die im Sommer erschienene erste CD «Arien für Nancy Storace» enthielt denn auch Kompositionen, die für Mozarts erste «Figaro»-Susanna entstanden sind.
Dass der Vergleich mit Mozart manchmal anscheinend auch lähmen kann, zeigte nun die erste szenische Produktion der Accademia di Monaco am Stadttheater Aschaffenburg. Zum 200. Todestag ihres einstigen Hofkapellmeisters Johann Franz Xaver ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Michael Stallknecht
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von...
So viel Luther war nie. Bücher, Ausstellungen, Podien, Feiern, musikalische Reverenzen – der Reformator als Superstar. Seine Wittenberger Thesen: als Urknall des Protestantismus und früher Ausblick auf die Modernisierung des Abendlandes gefeiert. Was Doktor Martinus da vor 500 Jahren angestoßen hat, hallte im ausklingenden Jubiläumsjahr in allen Tonlagen nach....
Natur, Heimat, Seele – vermintes Motivterrain, vor allem auch im Theater, das, was idealtypische politisch-kulturelle correctness betrifft, gerne ganz vorne an steht. Das macht die aktuellen «Freischütz»-Aufführungen auch so interessant und überraschend: Man kann sich im Voraus kaum so recht ausmalen, was sich die szenografischen Interpreten wieder ausgedacht...
