Versionen eines Mythos

Glucks «Orpheus» mit Roberto Alagna, Nicolai Gedda – und Pina Bausch

 

Die Aufführungsgeschichte von Glucks «Orpheus» steht in einem irritierenden Widerspruch zu der Bedeutung, die das Stück für die Entwicklung der Oper hat. Obwohl die 1762 erstmals aufgeführte «azione teatrale» den geschlossenen Werkbegriff etablierte, ist kaum eine Oper über die Jahrhunderte stärker den Moden und Usancen des Betriebs angepasst worden.

Daran ist der Komponist nicht ganz unschuldig: Glucks Umarbeitungen, vor allem die Pariser Fassung für hohen Tenor, spannten schon früh einen Möglichkeitsraum für Mischfassungen und Transpositionen auf, dem selbst die historische Aufführungspraxis und ihr rigider Werkbegriff erstaunlicherweise nichts anhaben konnten.
So radikal wie von David Alagna in seiner 2008 für Bologna erstellten Fassung wurde der «Orpheus» vermutlich kaum je zurechtgestutzt: Schon nach wenigen Ouvertürentakten geht es mitten hinein in den Furientanz des zweiten Akts, zu dem hier Orpheus und Eurydike Hochzeit feiern. Alagna ordnet sein «Orpheus»-Material nicht nur neu, sondern verändert auch die Musik selbst: Das Trio «Tendre amour» aus dem letzten Akt etwa wird dem Chor zugeteilt, der damit seiner Trauer über den Autounfall des jungen Paares Ausdruck gibt, und ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Medien/CDs, DVDs, Seite 24
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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