Verliebt, verkannt, verweht

Samuel Barbers «Vanessa» und Humperdincks «Königskinder» in Frankfurt

Ein Wagnis ist das. Zwei wenig gespielte Stücke zum Saisonauftakt an der Oper Frankfurt, zwei Premieren innerhalb eines Monats. Miteinander zu tun haben Samuel Barbers «Vanessa» und Engelbert Humperdincks «Königskinder» nicht allzu viel. Immerhin wurden beide an der Metropolitan Opera in New York uraufgeführt (1910 bzw. 1958/1965). Auch wäre es kaum übertrieben zu sagen, dass beide Stücke klingendem Eklektizismus huldigen. Original wollen sie kaum sein. Originell aber schon. Vor allem wollen sie zu Herzen gehen. Deshalb gehen die Menschen mit goldenem Herzen leer aus.

Die wahrhaft Liebenden erfrieren innerlich (bei Barber) und äußerlich (bei Humperdinck). Die Welt meint es eben nicht gut mit den Ehrlichen und Gutgläubigen. Die haben dafür ihre Chance in der Oper. Dort sind sie die wahren Helden.

Die «Königskinder» kommen zwar selten auf die Bühne, sind auf dem Plattenmarkt aber ungewöhnlich stark vertreten. Es kursiert ein halbes Dutzend Aufnahmen, und alle haben ihre Meriten. Für lyrische Stimmen und Liedkünstler hat Humperdinck dankbare Partien geschrieben. Der Spielmann ist eine Baritonrolle wie geschaffen für Dietrich Fischer-Dieskau, Hermann Prey, Christian Gerhaher oder ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch

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