Verkehrte Welt

Das Nationaltheater Weimar sorgt für die deutsche Erstaufführung von Frederic Rzewskis Oratorium «Der Triumph des Todes» – und könnte seine Opernsparte verlieren

Irgendwann trägt Bjørn Waag beim Singen Federschmuck. Geht es denn hier um Indianer? Von Zyklon B und vom Vergasen ist doch – als Plauderei beim Federball – die Rede. Der Name Lili Tofler fällt. Politischer Häftling war sie – im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aber schon im Text von Peter Weiss, der auf den Protokollen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963-1965 beruht, fehlt jede Erwähnung von «Auschwitz» und von «Juden». Was hier verhandelt wird, in Frederic Rzewskis Oratorium «Der Triumph des Todes», soll nicht als einzigartig dogmatisiert werden.

Nicht um die Pflege von Betroffenheit geht es, sondern um das Erkennen von Verhaltensmustern unter dem Druck von Diktatur und Lager. Sie sind universell und wiederholbar.

Bei der deutschen Erstaufführung hat der Regisseur Alexander Fahima das Stück (von 1988) für das Kunstfest Weimar im Schießhaus in Szene gesetzt. Er treibt die Universalisierung voran, lässt durch Bahadir Hamdemir historische Vorbilder der Menschenmisshandlung am Beispiel der Kunstgeschichte einblenden: vom antiken Laokoon bis zu Théodore Géricaults «Floß der Medusa». Und es geht auch um Indianer, wenn Caterina Maier, Ulrika Strömstedt, Andreas Koch, Saya ...

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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Jan Brachmann