Vergiftetes Licht
In Glasgow lässt sich der Frühling bitten. Zwar sprießen auch hier Narzissenbüschel, doch das helle Grün spart die nassen Wiesen aus, zögert vor Büschen und Bäumen.
Den Kragen hochgeschlagen gegen Regenfäden, flüchten wir ins hellerleuchtete Theatre Royal, wo die Scottish Opera als Kontrapunkt zu Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» eine Uraufführung zeigt: Lliam Paterson, seit 2014 Composer in Residence, musste der Kompanie bislang in kleineren Arbeiten seinen Wert beweisen – mit Szenchen für Opernhits-Tourneen oder einer Fanfare zur Einweihung der gelifteten Foyers; gerade schreibt er an einem Stück für Krabbelkinder. «The 8th Door» ist der Vertrauensbeweis für einen 25-Jährigen.
Auf der Bühne platzieren sich ein Mann und eine Frau. Die Schauspieler Elicia Daly und Robert Jack wenden uns den Rücken zu, ihre Mienen sehen wir auf einer Leinwand. Großaufnahmen zielen auf Kleinstregungen: ein Beben im Mundwinkel, das Kräuseln zarter Krähenfüße –Gesichtsmuskel-Zwiegespräche. Unterdessen bleiben die sechs Vokalisten in den Graben verbannt: Schade, dass ihre Stimmen, die mal solistisch, oft im Ensemble zum Zuge kommen, dort verstärkt werden müssen.
Die Partitur hat sieben musikalisch ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
Karl und Monika Forster haben sich zusammen einen Namen gemacht, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Der Name steht in der Bilddatei, oft auch in der Zeile, die den Urheber jedes Bildes ausweist. Und da steht dann: Karl Monika Forster – ein Name für zwei Fotografen, als wäre das Paar, das seit vielen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum etwa für Regisseure...
Norbert Miller, von 1972 bis 2005 Professor für Deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Berlin, hat als offener, souveräner Geist weit über sein Fachgebiet hinaus Leser gefunden. Wer einmal die Regalreihen seiner Bibliothek in seinem Haus am Berliner Schlachtensee entlangstreifen durfte, wundert sich nicht, dass...
Sterben? Für eine schlechte Sache? Nein, sagt der Dichter und schreibt ein Poem, welches sich gegen die Gräuel des Ersten Weltkriegs richtet, zugleich aber grundsätzlich nach dem Wesen von Leben und Tod fragt. Man schrieb das Jahr 1917, da lieferte Puccinis Librettist Giuseppe Adami die Vorlage für das Lied «Morire?». Dieser nutzte es zu einem leidenschaftlichen...
