Verdis Amneris schreibt Briefe
Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis zweite Ehefrau, der Kragen platzte. Am Ende blieb Stolz vertraute Freundin und sollte jeden Sommer ein paar Wochen mit dem Ehepaar Verdi in der Toskana kuren.
Weniger intim, aber nicht weniger herzlich waren die Beziehungen Verdis und seiner Ehefrau zu Maria Waldmann, der Amneris in der europäischen Erstaufführung der «Aida» und der ersten Mezzosopranistin in der «Messa da Requiem». Mit beiden Sängerinnen tauschte Verdi regelmäßig Briefe. Mit einiger Sicherheit wäre aus den Mitteilungen an Stolz wesentlich mehr über seine Einschätzung der zeitgenössischen Opernverhältnisse zu erfahren. Denn in den Briefen an Waldmann geht er nur selten aus der Reserve. Die Briefe an Stolz sind zwar weitgehend erhalten (seit Jahren versucht ein Mailänder Privatmann, sie meistbietend zu verkaufen), aber nicht zugänglich – nur diejenigen, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Anselm Gerhard
Liebhaber des französischen Lieds, der mélodie, werden bei dieser CD ins Schwärmen geraten. Véronique Gens gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den renommiertesten Interpretinnen der Barockoper, feiert aber auch mit Gluck, Mozart und französischer Musik des 19. Jahrhunderts Erfolge. Als Liedsängerin macht sie sich rar. Die einzigen einschlägigen CDs, Berlioz’...
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind...
Dieses nahezu versteinerte Gesicht hat schon viel erlebt, zu viel vielleicht. Paul: bei Wolfgang Schwaninger ein reifer Mann mit Haarkranz, schlank, drahtig – und nicht mehr Herr seiner Sinne. Ihm ist das wahrscheinlich Schlimmste zugestoßen. Wie weiterleben, wenn die Geliebte gestorben ist?
Wie umgehen mit Trauer und Verlust? Diese Fragen sind es, die an Erich...
