Hexensex

Verdi: Macbeth
Palermo | Teatro Massimo

Macbeth, so prophezeien es die Hexen bei Shakespeare wie bei Verdi, werde erst dann besiegt sein, wenn der Wald von Birnam gegen den Hügel von Dunsinane ziehe. Was in dem Moment eintrifft, als Malcolm seinen Soldaten befiehlt, sich einen Ast abzuschlagen und damit zu tarnen, um die Größe der vorrückenden Armee zu verschleiern. In Emma Dantes «Macbeth»-Inszenierung tragen Malcoms Mannen stattdessen Kaktusfeigen als Camouflage – botanischer Fingerzeig auf die mediterrane Heimat der sizilianischen Regisseurin.

Erwartbarer die übrigen Motive in Dantes Lesart: Blut, Machtgeprotze, Fleischeslust. Während Lady Macbeth im Original Sex und Mutterschaft als Mittel für ihren Aufstieg nutzt («Come, you spirits ... unsex me here»), verrichten auf der Bühne von Palermos Teatro Massimo schwangere (!) Hexen mit ihren Partnern den Geschlechtsakt in nachgerade industriellem Akkord: Eine Gruppe von Satyrn trägt riesige Phalli zur Schau und zeugt – in diversen Kamasutra-Stellungen dem heidnischen Wicca-Kult huldigend –  Generation um Generation neuer Babyhexen. Das Blutvergießen symbolisieren imposante rot besudelte Tücher, Macbeths Thron wird ins Riesenhafte überhöht: Gut drei Meter hoch ragt er auf, ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Carlo Vitali