Kopf ab

Verdi: Attila
Bonn | Oper

Schreie, Raub, Stöhnen, Blut, Schändung, Zerstörung, Gemetzel und Feuer sind Attilas Zeitvertreib» – kaum bekommt man das klassische Profil des Gewaltherrschers deutlicher gezeichnet als am Beginn von Verdis «Attila». Der Hunnenkönig, der 1846 bei der Uraufführung im «Gran Teatro La Fenice» von Venedig dem Publikum Angst und Schrecken einjagte, war einer, der die Menschenwürde zum bloßen Zeitvertreib in den Kot trat.

Und es blieb den Zuschauern überlassen, Attila mit den österreichischen Fremdherrschern in Venetien zu identifizieren, die zwar weniger blutrünstig waren, aber unter dem Regiment des Feldmarschalls Radetzky jede Opposition im Keim erstickten.

Natürlich denkt ein Opernregisseur von heute nicht primär an Radetzky oder die Hunnen, denn die Parallelen zum Syrien-Krieg und den Feldzügen des sogenannten «IS», aber auch zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer sind so offenkundig, dass der Regisseur Dietrich Hilsdorf sich vermutlich ständig selbst ermahnen musste, die aktuelle Weltpolitik nicht eins zu eins auf die Bonner Bühne zu bringen. Natürlich weiß Hilsdorf, wie sehr die realen Katastrophen verharmlost werden, wenn sie im Theaterkostüm daherkommen.

Doch statt nach einer ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen