Verdi: Aida

Berlin, Verdi: Aida

Gegen die Meinung, dass «Aida» von lebenden Elefanten und sterbenden Te­nö­ren handelt, hat die Deutsche Oper Berlin schon früh Widerspruch eingelegt. Zur Eröffnungswoche des Hauses verbannte Wieland Wagner 1961 alles Styropor-Ägyten. Karl Böhm stand am Pult. Später leiteten dort Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Giuseppe Sino­poli Verdis heikle Mischung aus Grand-Opéra und Kammerspiel. Die Aidas hie­ßen Julia Varady und Jessye Norman, als Radames brillierten Jess Thomas und später Luciano Pavarotti. An all das darf man bei der jüngsten «Aida»-Premiere nicht denken.

Auch nicht an die Urkraft, die Hans Neuenfels an diesem Haus mit seinen Verdi-Inszenierungen entfesselte.
Christopher Alden, Zwillingsbruder des im gleichen Beruf tätigen David Alden, bemüht weder Elefanten noch Pyramiden. Trotzdem wirkt seine Inszenierung wie aus zweiter Hand. Er verlegt «Aida» in den Versammlungsraum einer US-Sekte, genau wie Jossi Wieler und Sergio Morabito das, nur eben viel besser, mit Glucks «Alceste» gemacht haben (die Stuttgarter Aufführung ist als DVD erhältlich). Aldens Konzept wäre ein netter Kommentar zum Obama-Effekt des amerikanischen Wahlkampfes. Sie wäre (jetzt und genau wie sie ist) ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Stephan Mösch

Vergriffen
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