Die schönste Sackgasse der Welt

Seit 20 Jahren lockt MARTIN ENGSTROEM weltbekannte Künstler in ein Walliser Alpendorf, um mit jungen Talenten zu arbeiten. Gagen gibt’s nicht. Sie kommen trotzdem. Wie macht der Gründer des Verbier Festivals das bloß?

Herr Engstroem, zum Jubiläumsfestival sind mehr Musiker und mehr Besucher nach Verbier gekommen als je zuvor. Gibt es für Sie Grenzen des Wachstums?
Ich freue mich natürlich, dass das, was wir seit 1994 versuchen, einen so guten Ruf hat. Es ist ja nicht so, dass man mal eben einen Abstecher nach Verbier macht. Dafür liegt der Ort zu abgeschieden. Verbier ist eine Sackgasse. Wer hierher kommt, hat sich bewusst entschieden. Ich glaube, die Anziehungskraft des Festivals hängt weniger mit dem Umfang des Programms als mit seiner Philosophie zusammen.

Das für mich Wichtigste ist eine persönliche, offene, informelle Atmosphäre, ein Rahmen, der Begegnungen ermutigt, die anderswo nicht ohne Weiteres zustande kämen. Das gilt sowohl für den Dialog zwischen Klassik-Stars und Talenten, die am Anfang einer
Karriere stehen, als auch für Kontakte zwischen Künstlern und Publikum.

Eine Werkstatt ohne Berührungsängste?
Genau. Das ist mein Ziel. Wer bei uns lernen will, soll keine Scheu haben, einen berühmten Solisten, Sänger, Dirigenten anzusprechen. Vielleicht biegt Pinchas Zukerman gerade um die Ecke oder ­Martha Argerich oder Anne Sofie von Otter oder Charles Dutoit. Es soll keine Barrieren geben. ...

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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Albrecht Thiemann