Verachtet mir die Souffleusen nicht!
Erinnern Sie sich an den kleinen Kasten in der Mitte der Rampe? Ja, die Hütte des Souffleurs oder der Souffleuse. In vorelektronischen Zeiten mit einem Rückspiegel ausgestattet, später mit Bildschirm und anderem technischen Schnickschnack. Die temporären Bewohner dieses Kastens sprangen ein, wenn einer der Solisten auf der Bühne einen «Hänger» hatte. In Italien gab es sogar den «maestro suggeritore» mit Dirigentenausbildung.
Denn bevor das Abbild des Dirigenten im Graben auf Monitore übertragen werden konnte, war es bei komplizierteren Partituren einfacher, wenn der Souffleur an heiklen Stellen mitdirigierte.
Den Kasten sieht man heute immer seltener. Was für das Auge gewiss kein Nachteil ist. Auch das Ohr erinnert sich eher mit Grausen an Mitschnitte aus den 1950er- und 1960er-Jahren, in denen die Textmarken des Souffleurs lauter ausfallen als die gesungenen Einsätze. Unterschätzen sollte man die Bedeutung der Souffleuse dennoch nicht (die weibliche Bezeichnung mag auch für die – weniger zahlreichen – männlichen Kollegen stehen). Zwar scheint die Selbstbeschreibung von Monsieur Taupe, des «Herrn Maulwurf» in Richard Strauss’ «Capriccio», ein Echo aus fernen Zeiten: «Erst wenn ich ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Anselm Gerhard
Musikologie ist leider keine «fröhliche Wissenschaft» im Sinne Friedrich Nietzsches, der seine Schrift «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben» mit Goethe eröffnet: «Übrigens ist mir alles verhaßt, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.» Ob Quellenkunde oder pingelige Analyse, der Bezug zur Gegenwart bleibt...
Das Stück ist sakrosankt, unantastbar. Vollendete Vokalkunst. Und einer der tristesten Klagegesänge der Musikgeschichte. «When I am laid in earth», Didos Weltabschiedsarie, trägt den Schmerz einer ganzen Epoche in sich, ist aber zugleich von einer so ätherischen Schönheit, dass man das Leben im Jenseits fast schon wieder als wunderbar imaginieren möchte. Der Tod...
Wenn in Hannover Dalands Schiff und des Holländers Geisterschiff in See stechen, dann heißt es volle Fahrt voraus: Ivan Repušić lässt das Niedersächsische Staatsorchester mit Verve aufspielen. Es gibt zügige Tempi, viel orchestrale Dramatik bläht die imaginären Segel. Wohin die Reise geht, weiß man da noch nicht, denn die Ouvertüre muss nicht gegen eine Bilderflut...
