Unterm Seziermesser
An diesen Arrangements klebt nicht nur das Fin de siècle, sondern – aus etwas schräger Sicht – wohl auch das Wiener Kaffeehaus. Obwohl sie nicht für diese Lokale geschaffen wurden, sondern für Arnold Schönbergs 1918 gegründeten «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Konzerte in den unterschiedlichsten Sälen stattfanden, darunter der Musikverein und das Konzerthaus.
Beim Orchester war man aus finanziellen Gründen zum Ökonomisieren gezwungen, griff auf Kammerarrangements zurück, deren Besetzung den in manchen Kaffeehäusern und Gaststätten zur Unterhaltung aufspielenden Ensembles nicht unähnlich war: Flöte, Oboe, Klarinette, Streichquintett, dazu oft auch Klavier und Harmonium. Bei Bedarf, wie etwa beim hier vorliegenden «Lied von der Erde» in der Bearbeitung durch Schönberg und seine Schüler – vermutlich auch Anton Webern –, wurde die Besetzung erweitert. Der Flötist spielt ebenfalls Piccolo, der Oboist auch das Englischhorn; eine zweite Klarinette, Fagott, Horn, Celesta und Schlagzeug (inkl. Triangel!) kommen hinzu.
Schönbergs Arrangements auch nur andeutungsweise «Kaffeehausmusik» zu nennen, wäre natürlich Sakrileg. Obwohl etwa der Beginn des ...
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