Unter Prolos
Offensichtlich macht es dem Kölner Opernchor unbändig Spaß, einmal so richtig die (Rampen-)Sau rauszulassen – und über grünen Bierkästen aus Plastik eine virtuose Summ-, Stöhn-, Würg- und Kotznummer darzubieten. In den einhundertzehn pausenlosen Minuten von Jan Müller-Wielands neuester Oper ist das ein einsamer Höhepunkt, erzkomisch in jeder Hinsicht und musikalisch wunderbar ironisch auf den Punkt gebracht. Vor allem aber auch so prägnant, weil man nicht nach dem Sinn zu fragen braucht. Was man ansonsten permanent muss.
Was hat Müller-Wieland dazu verleitet, aus John Millington Synges dialog- und personenreichem, halb realistischem, halb fantastischem, hundert Jahre altem, etwas verschrobenem Stück «The Playboy of the Western World» eine Oper zu machen? Sein selbst verfasstes, das Drama geschickt nach der Übersetzung von Heinrich und Annemarie Böll verdichtendes Libretto weist zwar den Weg zur Parabel. Aber ein Gleichnis worüber? Über einen Jungen, der erwachsen wird – indem er vergeblich versucht, den Vater umzubringen, und damit prahlt? Über schräge Typen in einer westirischen Kneipe? Gar über den Oedipus-Komplex?
Das Missverständnis beginnt schon mit der Besetzung des ...
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Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal spielt auf höchst originelle Art mit der Doppelbödigkeit des Stoffs: Die linke Bühnenhälfte zeigt mehrfache Verglasung und ein blendend weißes Stiegenhaus. Das Innere eines modernen Gebäudes, einer psychiatrischen Klinik vielleicht. Rechts hat Paul, die Hauptfigur, in seiner fetischistischen Trauer um seine verstorbene Frau...
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