Ungemein gut gelaunt
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel inszenierte – und dem Publikum des Royal Opera House vorsichtshalber mit zwei hinzuerfundenen Figuren Hilfestellung gab.
Ein Engländer und ein Franzose bestaunen und kommentieren das Spektakel um Prinzessin Laoula, ihren Geliebten Lazuli und ihren Verlobten König Ouf. Die Dialoge haben Clément und die beiden Schauspieler dick mit Anspielungen aufs britische Heute gespickt und dabei – vom Londoner Bürgermeister Boris Johnson bis zum Sherlock der BBC-Serie – querbeet alles Mögliche auf die Schippe genommen. Zwar darf bezweifelt werden, dass die Londoner Chabriers Schelmereien ohne die Zutaten nicht verstanden hätten. Aber Chris Addison und Jean-Luc-Vincent greifen als «Smith» und «Dupont» den Esprit des Stücks treffsicher auf und machen ihre Sache fabelhaft – angefangen mit der Ouvertüre, zu der Dupont, den Schuh am Fuß zum ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff
Vorwärts
Die Zukunft des Musiktheaters will das frisch gegründete «Opera Forward Festival» (OFF) der Nationale Opera Amsterdam erkunden. U. a. steht die Uraufführung von Michel van der Aas «Blank Out» auf dem Programm. Und Peter Sellars kombiniert zwei neue Kurzopern von Kaija Saariaho.
Pour l’humanité
... lautet das Motto des Opernfestivals in Lyon. Daniele...
Als 1990 der erste Ministerpräsident Brandenburgs gewählt wurde, hatte das Land noch fünf Mehrspartentheater, die ganzjährig Oper, Ballett, Schauspiel und Orchesterkonzerte anboten. Ein einziges davon hat die Rotstiftpolitik der vergangenen 25 Jahre überlebt: das Staatstheater Cottbus (siehe Seite 78). Nicht einmal die Bühne der Landeshauptstadt Potsdam verfügt...
Liest man die Aufführungsstatistik des Deutschen Bühnenvereins – unter den 50 meistgespielten Opern ist keine einzige jüngeren Entstehungsdatums –, bestätigt sich die Binsenweisheit, dass es Zeitgenössisches im heutigen Musiktheater schwer hat. Tatsächlich aber machen viele Häuser durchaus ihre Hausaufgaben. Das gilt auch für die norddeutschen Bühnen. Ob Flensburg,...
