Ufos und Vulkanausbrüche
Manchmal spielen die entscheidenden Szenen auf den Nebenbühnen. Zumal, wenn es um die Frage geht, was Oper und Musiktheater im Innersten zusammenhält. Wohin geht es mit der Kunst des singenden und spielenden Menschen, wenn das Kernrepertoire sich (Ausnahmen bestätigen die Regel) aus dem 18. und 19.
Jahrhundert speist? Wenn sich der Guckkasten zu einem Museum wandelt, das kaum mehr ästhetische und intellektuelle Überraschungen bietet, dafür immer mehr Kult um wenige (Star-)Stimmen treibt? Dass am oberen Ende der Beliebtheitsskala die immer gleichen 40, 50 Stücke rangieren – an dieser Realität haben weder entdeckerfreudige Intendanten noch das Regietheater mit seinen gegen die Tradition gebürsteten Lesarten des Kanons ändern können. Die meisten Neuschöpfungen für die Opernbühne erweisen sich als Eintagsfliegen, und was vor fünf Jahrzehnten als Regie-Revolution begann, ist heute selbst Teil der Tradition. So kommen die interessantesten Impulse für die Zukunft der Gattung oft von den Rändern – aus einem Loft, aus dem Computer, aus einem Industrierevier oder von der Straße. Kurzum: aus dem Off des Stadt- und Staatstheaterbetriebs.
Andererseits kann man aber auch beobachten, wie das ...
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Als «Simon Boccanegra» 1857 zur Uraufführung kam, war Verdi seiner Zeit zu weit voraus, um beim Publikum und bei den Impresari punkten zu können. Das Fiasko in Venedig wollte er nicht auf sich sitzen lassen, und so arbeitete er das Werk – unter Verwendung zahlreicher dramaturgischer Eingriffe von Arrigo Boito – zu einer Art italienischem «Boris» um. Diese Version...
Rund zehn Bahnminuten von St. Gallen entfernt liegt das Städtchen Herisau, wo der Dichter Robert Walser seine letzten 23 Jahre in einer Heil- und Pflegeanstalt verbrachte. Dieser regionale Bezug mag das Theater St. Gallen bewogen haben, Benjamin Schweitzers Vertonung des in Walsers Werk zentralen Romans «Jakob von Gunten» auf die Bühne zu bringen. Die Kammeroper...
Diese Hölle stinkt nicht nach Schwefel. Höchstens nach Kabelbrand, ein bisschen auch nach abgestandenem Dramaturgenschweiß. Und sie beherbergt keine quälgeistigen Teufelchen, sondern Männer in T-Shirts, die mit Tafeln «Applaus!» befehlen, auf dass die Studiogäste von «Hercool TV», besonders der fitnessgestählte Namensgeber, gebührend bejubelt werden. Bei Euripides...
