Überflüssig

Chemnitz, Wagner: Lohengrin

Wer Lohengrin war? Diese Frage lässt sich, mit Glauben an den Mythos, noch relativ leicht beantworten, zumal der edle Ritter von der Burg Monsalvat dies Geheimnis in seiner umfassenden Erzählung selbst dem Volke kundtut. Wer aber Lohengrin ist oder vielmehr, was er sein kann, was er für uns bedeutet, als Symbol oder als Metapher, das wiederum scheint eine weit heiklere Frage. Nicht einmal (aufgeklärte) Kinder würden wohl noch die Mär von dem verwandelten Jüngling glauben, der als Schwan den Nachen zieht, in dem Lohengrin von der Schelde in die mittelalterlichen Straßen Antwerpens tritt.

Und spätestens seit Peter Konwitschnys Hamburger Geniestreich, als er die versammelte Ritterschar in ein Schulgebäude verfrachtete und damit gleichsam infantilisierte, um die Muster an Entmündigung zu zeigen, die eine hierarchisch strukturierte Gesellschaft in sich trägt, muss dieser merkwürdige Fremde im Grunde anders auf der Bühne erscheinen als in Rüstung geadelt.
In Chemnitz, wo die Intendanten-Ära Rolf Stiska nach fünfzehn wechselvollen Jahren mit Wagners romantischer Oper beschlossen wurde, scheint man von derlei Neuerungen des Regietheaters nicht allzu viel vernommen zu haben. Der Lohengrin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Stillstand vor der Mauer

Muss das Musikfestival im südfranzösischen Aix-en-Provence unbedingt einen «Ring des Nibelungen» schmieden? Wotan im südlichen Licht? Alberich aus dem Luberongebirge? Die Rheintöchter aus der Rhône? Immerhin gab es schon einmal einen «Ring» im antiken Theater in Orange (Regie: Jean-Claude Riber, Dirigent: Marek Janowski): sehr imponierend, die germanischen Götter...

Ideal für den Sommer

Ein Abend ohne Fußball. Auf den Rasenflächen des Bockenheimer Depots hoppeln Kaninchen. Dreischiffig wie eine Basilika liegt das alte Straßenbahndepot da. Ziegelmauern und eine filigrane, hölzerne Dachkonstruktion. Drinnen eine nach vorn abfallende Holzbühne. Darauf das verkleinerte hölzerne Skelett des Depots. Dahinter ein Sommerhimmel, weißblau (Ausstattung:...

Die Welt ist dümmer geworden

Am Montag, dem 12. Juni befand ich mich am frühen Abend mit dem Auto in der Nähe des Holledauer Dreiecks. Links und rechts Hopfenfelder. Um sechs Uhr meldete der Nachrichtensprecher im Radio: «Der Komponist György Ligeti ist heute Vormittag in Wien gestorben. Er war dreiundachtzig Jahre alt.» Die Nachricht wirkte auf mich wie Schock, überwältigend trotz der langen...