Tumber Held

Wagner: Siegfried Leipzig / Oper

Opernwelt - Logo

In einer Schmiede, sollte man meinen, geht es hitzig zu, stieben Funken, rinnt Schweiß. Der neue Leipziger «Siegfried» hingegen hat Mühe, auf Betriebstemperatur zu kommen. Was weniger an den seltsamen Schlingpflanzen liegt, die Bühnenbildner Carl Friedrich Oberle wuchern lässt. Sondern daran, dass der erste Aufzug nicht funktionieren kann, wenn Mime nicht zündet. Der Nibelung ist Getriebener und Antreiber, Täter, Opfer, Hofnarr – und als Figur um ein Vielfaches interessanter als sein tumber Ziehsohn.

Dan Karlström aber verweigert alles Kichern, Zischen, Lauern, Lachen, Brausen und Zürnen. Das karikierend Überspitzte, in das manche Mime-Interpreten gern abgleiten, hebt bei ihm nicht den (mitunter) hässlichen Kopf. Doch Karlström unterspielt jede Szene, bleibt stimmlich und körpersprachlich verhalten. Mime denkt ja das eine und redet das andere, nicht erst im zweiten Aufzug vor Neidhöhle, sondern schon hier – ein Kontrast, der in Leipzig überhaupt nicht deutlich wird.

Dazu Christian Franz: als Siegfried kaum ein rosiger Held. Franz singt weder besonders ansprechend noch textverständlich, seine darstellerischen Fähigkeiten bleiben beschränkt. Dass er trotzdem zum Jetset-Siegfried ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Hinreissend verschroben

Fast immer wenn die Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim auf Frühjahrstour geht, wird Barockes aufgeführt, mit befreundeten Musikern im Orchestergraben, oft spektakulär: René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin heben Raritäten des 17. oder 18. Jahrhunderts ans Licht. Wie eben Georg Philipp Telemanns 1973 in Magdeburg erstmals wiederaufgeführte Oper...

Gespenst im Graben

Die Frage ist ja nicht: Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Sondern: Wer ist dieser Samiel überhaupt? In der Wolfsschlucht donnert eine anonyme Stimme – und hat, etwas partiturwidrig, das letzte Wort nach Choraufruhr und Orchestergefecht. Noch interessanter ist diese Frau: stumm, groß, hinkend, verhärmt, Kaspar zu Tode erschreckend in seiner Arie. Auf eine...

Die Weichen sind gestellt

Ach, es könnte so schön sein. Vom Dach des neuen Opernhauses sieht man Florenz wie auf einer Postkarte daliegen. Der Turm des Palazzo Vecchio, Giottos Campanile und die Kuppel des Domes, im Hintergrund die weiße Fassade von Santa Croce, wo Rossini begraben liegt. Das alles nicht so weit weg wie das Zentrum von Paris, wenn man es von der neuen Philharmonie aus...