Opulenz und Achtsamkeit

Wagner: Tristan und Isolde London / Coliseum

Die English National Opera gibt reichlich Anlass zur Sorge. Doch eines muss man ihr lassen: Das Orchester ist in Bestform. Das ist vor allem ­Edward Gardner zu verdanken, der die Spielkultur des Klangkörpers im Verlauf seiner Amtszeit ­entscheidend verfeinerte. Mark Wigglesworth konnte in den Monaten seiner Stippvisite als ­Musikalischer Leiter auf diese Arbeit aufbauen: Schon «Lady Macbeth of Mzensk», «Die Zauberflöte», «La forza del destino» und «Jenufa» ließen aufhorchen.

Und jetzt kehrte Gardner für «Tristan und Isolde», die letzte Neuproduktion der auslaufenden Saison, ans Pult der ENO zurück. Er überließ keine Nuance dem Zufall – und das Orchester zog mit, reagierte auf feinste Justierungen von Tinta, Temperatur und Tempo. Gardner geht in die Extreme, zieht hier kühn an, lauscht dort spannungsvoll nach, setzt Akzente, wirft lange ­Bögen auf, ohne dabei die feine Binnensyntax einzuebnen. Sein Sinn fürs Detail ist atemberaubend, hypnotisierend. Was sich im Graben abspielt, fesselt den ganzen langen Abend hindurch.

Leider fesseln auch nach wie vor Fragen zur Zukunft der ENO. Mit der überraschenden Er­nennung des in Chefsachen unerfahrenen Regisseurs Daniel Kramer zum ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard