TRÈS CHARMANT

Messager: Fortunio NANCY | OPÉRA NATIONAL DE LORRAINE

Opernwelt - Logo

Eine Frau, zwei Männer – da freut sich der dritte. Jacqueline, Gemahlin des weißbärtigen, dauereifersüchtigen Notars Maître André, ist jung, très chic et très belle, erotisch unausgefüllt, weswegen sie den Avancen des Hauptmanns Clavaroche recht bald im Ehebett nachgibt, bevor sie ihn im Kleiderschrank verstecken muss. Fortunio wiederum, der gerade eine juristische Lehre im Haus begonnen hat, eigentlich aber ein dichtender Werther-Wiedergänger ist, hat sich beim ersten Blick in Jacqueline schockverliebt.

Irritiert bemerkt sie dies nach und nach; so viel Liebesleidenschaft («Verfügen Sie über mein Leben, es gehört Ihnen!») berührt sie. Da hat sie zwar gerade mit dem Liebhaber Clavaroche eine List eingefädelt, um ihren Mann zu täuschen (er soll denken, Fortunio schleiche als Nebenbuhler ums Haus), doch am Ende dieser comédie lyrique darf der juvenile Titelheld die Angebetete in die Arme schließen. 

Der Stoff, basierend auf einer Komödie von Alfred de Musset, ist so leicht gewirkt wie Jacquelines Musselin-Nachthemd, aber gleichzeitig nicht ohne Substanz, denn Fortunios zart-schüchterne Liebe, die am Schluss beinahe todessüchtige Züge annimmt, geht zu Herzen. Und das liegt am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
FUNKELNDE SMARAGDE

Ist so etwas denkbar? Ein Komponist, der von sich selbst sagt, auf ihn treffe diese Bezeichnung gar nicht zu? Federico Mompou, glamouröser Außenseiter und Schöpfer etlicher irrlichternd-poetischer Klavierstücke, vertrat diese Ansicht, und das mit vollem Ernst: «Ich habe immer dagegen protestiert, wenn man mich einen Komponisten genannt hat – ich bin kein Komponist...

BLICK IN EINE ANDERE WELT

Über das Leben Jan Vermeers ist relativ wenig bekannt, die Spuren seiner Biografie verlieren sich im Dunkel. Seine Bildsprache hingegen kennen wir. Rund 35 Gemälde des Delfter Barockmalers sind überliefert, darunter auch das vermutlich populärste – «Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge». Als Inspirationsquelle diente Vermeer bereits seinem Landsmann, dem...

Vorschau und Impressum 6/22

Fachwechsel
Seine Händel-Interpretationen sind Legende. Doch nicht nur die. Philippe Jaroussky hat zahllose Werke des Barock mit seinem ätherischen, durchdringend hellen, silbrig schimmernden Countertenor belebt. Jetzt wagt er den Gang von der Bühne ans Pult. Am Pariser Théâtre des Champs-Élysées dirigiert Jaroussky ein Bühnenwerk, dessen Titelfigur er wohl noch im...