Traumspiel

Bellini: La sonnambula an der Opera Royal de Wallonie in Lüttich

Opernwelt - Logo

Mit nachtwandlerischer Sicherheit ballte Librettist Felice Romani weiland für diese Oper romantische Versatzstücke zu einer brillanten Mixtur. Aus heutiger Sicht indes können die versierte Dramaturgie seiner Dichtung und die lyrische Schönheit mancher Verse weder über das angestaubte Bild von Mann und Frau noch die Rechtfertigung von Standesunterschieden hinwegtrösten – allzu vorgestrig und klischeehaft kommen das titelgebende Unschuldslamm, der sich voreilig in Eifersuchtstiraden ergehende Bräutigam, die laszive Dorfgastronomin und der gräfliche Tugendbold daher.

 

An der Opéra Royal de Wallonie entscheiden sich Regisseur Jaco Van Dormael und seine Choreografin Michèle Anne De Mey deswegen dafür, die latente Ironie des Geschehens freizusetzen – allerdings nur, um es auf neue Weise zu poetisieren. Van Dormael, einer der profiliertesten belgischen Filmemacher, beschränkt sich auf die Verdeutlichung der wesentlichsten Konstellationen. Den Chor fixiert er über weite Strecken auf Stühlen und weist ihm damit die Zuschauerperspektive zu. Umso größerer Freiraum eröffnet sich für Choreografin De Mey. Für sie hat Bühnenbildner Vincent Lemaire eine Art Trampolin gebaut, auf dem die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski

Weitere Beiträge
Im Schatten blut’ger Mädchenblüte

Manchmal ist die Liebe wie Fallobst. Plumpst unerwartet (und doch seit langem ersehnt) direkt vor unsere Füße, und eine bange Sekunde lang fragt man sich, ob man dieses Obst überhaupt aufheben sollte, oder ob dieses nicht vielleicht sich selbst, gleichsam hegelianisch, «aufhebt» und in die Lüfte entschwebt. Zu groß ist das Erstaunen über seine Existenz (und...

Der Schnitter Tod

«Lasciate ogni speranza» empfahl schon Dante, vom «River of no return» sang die Monroe. Und auch Günther Groissböck reitet über weite Strecken dieses Albums das fahle Ross des Todes. Das von Mahler vertonte Wunderhorn-Lied «Nicht wiedersehen!» dient ihm dabei als Motto; auf dem Cover blickt der Bass stirnrunzelnd am Betrachter vorbei, als wäre er selbst der Fleisch...

Einmal alles mit scharf!

Links, an der «Plaza de la corrupción», leuchten in Grün und Rot die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpersönchen. Rechts versorgen drei resolute Damen vom Grill die Massen mit geistiger Nahrung, und zwar im extra populären flüssigen Aggregatzustand. Auf dem Steg, der zwischen Publikum und Graben verläuft, gehen inkognito sowohl der Stadtkommandant als auch der...