Traumspiel
Mit nachtwandlerischer Sicherheit ballte Librettist Felice Romani weiland für diese Oper romantische Versatzstücke zu einer brillanten Mixtur. Aus heutiger Sicht indes können die versierte Dramaturgie seiner Dichtung und die lyrische Schönheit mancher Verse weder über das angestaubte Bild von Mann und Frau noch die Rechtfertigung von Standesunterschieden hinwegtrösten – allzu vorgestrig und klischeehaft kommen das titelgebende Unschuldslamm, der sich voreilig in Eifersuchtstiraden ergehende Bräutigam, die laszive Dorfgastronomin und der gräfliche Tugendbold daher.
An der Opéra Royal de Wallonie entscheiden sich Regisseur Jaco Van Dormael und seine Choreografin Michèle Anne De Mey deswegen dafür, die latente Ironie des Geschehens freizusetzen – allerdings nur, um es auf neue Weise zu poetisieren. Van Dormael, einer der profiliertesten belgischen Filmemacher, beschränkt sich auf die Verdeutlichung der wesentlichsten Konstellationen. Den Chor fixiert er über weite Strecken auf Stühlen und weist ihm damit die Zuschauerperspektive zu. Umso größerer Freiraum eröffnet sich für Choreografin De Mey. Für sie hat Bühnenbildner Vincent Lemaire eine Art Trampolin gebaut, auf dem die ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
Lachen oder weinen, quasi – bei schrägen Polkas, Walzern und Galopptiraden – innerlich mittanzen oder das Ganze politisch «kritisch» verstehen und dementsprechend für sich interpretieren? Diese Fragen, die als wesentliche (und ja nach wie vor spannungsvolle) ästhetische Ambivalenzen auf die Dichotomie der Rezeption von Dmitri Schostakowitschs Musik abzielen, kommen...
Wenn alle Wege verstellt sind, bleibt nur der nach oben, schrieb Franz Werfel einmal. Es gibt aber auch den Weg in die entgegengesetzte Richtung: Als Onegin sie zuletzt bestürmt, bedrängt, alle Ausgänge des menschenleeren Petersburger Ballsaals versperrt und damit ahnen lässt, bei verbalen Zudringlichkeiten könnte es nicht bleiben – da versinkt Tatjana im...
Von den komponierenden Söhnen Johann Sebastian Bachs hat es Johann Christoph Friedrich, der zweitjüngste, nur zu bescheidener Anerkennung gebracht. 1750 trat der gerade 17-Jährige als Cembalist und Kammermusiker in den Dienst des im niedersächsischen Bückeburg residierenden Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, wurde dort 1759 Konzertmeister und begnügte sich mit...
