Träume(n) in einer grausamen Welt
In Tippetts letzter, in Deutschland noch nie aufgeführter Oper «New Year» (Neujahr) betritt die Anti-Heldin Jo-Ann laut Szenenanweisung die Bühne, «als ob sie von der Gewalt der Klänge draußen hereingeweht» wird. Die brutale, mit elektro-akustischen Effekten und reichlich Schlagwerk angereicherte Musik verebbt und weitet sich zu einer Gesangskantilene. «Safe, safe», «in Sicherheit», singt die Kinderpsychologin, die diesen Beruf gewählt hat, um Waisenkindern, wie sie eines war, helfen zu können.
Vor dem «Sturm da draußen» flüchtet sie sich in ihre Bücher, in ihre Illusionen, in sich selbst. Und sie träumt, gestützt von einfühlsamer Instrumentalbegleitung, in einer lyrischen Episode vom Paradies, das sie vor ihrer Haustür nicht findet, und davon, wie sie wohl die Kraft erlangte, sich der Welt zu stellen. In «New Year», erstmals 1989 an der Houston Grand Opera und 1990 in Glyndebourne gegeben, verbindet Tippett auf ungewöhnliche Weise Elemente des Musicals und der Masque, Musik des technologischen Zeitalters mit den Urformen des musikalischen Dramas. Dramaturgie und Klangcharakter unterscheiden sich erheblich von den vorangegangenen vier Bühnenwerken: «The Midsummer Marriage» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zu ihrem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr blieb es ziemlich still. Auch ihre exklusive Schallplattenfirma, bei der sie zwei Dutzend komplette Opern und zahlreiche Lied-Recitals eingespielt hat, sah keinen Anlass für eine Jubiläums-Edition. Dankenswerterweise hat das Label Testament in den letzten Jahren einige ihrer wichtigsten Aufnahmen auf CD neu...
Mit seinen beiden Überblicksdarstellungen zur Sozialgeschichte des Jazz und der klassischen Musik im Dritten Reich hat der kanadische Sozialhistoriker Michael H.Kater – zumindest in Deutschland – gewaltig Staub aufgewirbelt. Nun schließt er seine Beschäftigung mit acht Fallstudien über Komponisten der Nazi-Zeit ab. Dass es sich dabei nicht um «Komponisten im...
Dreieinhalb Opern des Komponisten und Dirigenten Peter Eötvös liegen inzwischen vor: «Tri sestri» («Drei Schwestern») nach Tschechows Schauspiel, «Le Balcon» nach dem Theaterstück von Jean Genet, das subtile, schmaler dimensionierte Klangtheater «As I Crossed a Bridge of Dreams» sowie die jetzt in Paris am Châtelet-Theater uraufgeführten «Angels in America»,...
