Träum weiter Mensch!

Oscar Strasnoys «Robinson» im Orchesterprobensaal der Staatsoper Berlin

Opernwelt - Logo

Das Licht geht aus, wie von Geisterhand setzen sich die Tasten des Flügels in Bewegung. In der Mitte des Raumes beginnt sich die kreisförmige Zuschauertribüne um die eigene Achse zu drehen. Langsam fährt das verblüffte Publikum an Podesten vorbei, auf denen mehrere Sängerinnen und Sänger in blau leuchtenden Perücken hinter halbdurchsichtigen Gaze-Schleiern sitzen – so die Ausgangssituation in Oscar Strasnoys Oper «Robinson» in der Regie von Anna Bergmann im alten Orchesterprobensaal der Staatsoper Berlin.

Ein Lageplan, der am Eingang verteilt wird, erklärt, was es mit den geheimnisvollen Gestalten auf sich hat. Sie heißen «Die Jugend», «Die Abweichung», «Der aus der Welt Gefallene», «Das Alter», «Die Vermittlung» und «Die Zukunft». Ein bisschen erinnert das an die Allegorien der Barockoper, wie man sie beispielsweise aus «L’incoronazione di Poppea» oder «Il trionfo del tempo e del disinganno» kennt. Doch im Vergleich zu den gewitzten Halbgöttern, die bei Monteverdi und Händel selbstbewusst die Fäden ziehen, sind die Charaktere bei Strasnoy eher traurige Figuren: Die Jugend (Johannes Wieners) entflieht mit 3D-Brille und Spielkonsole in virtuelle Welten («Liebes Netz, ich liebe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2023
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Anna Schors

Weitere Beiträge
Schweres Gerät

Da draußen in der Ukraine ist noch immer Krieg. Nach mehr als einem Jahr erscheint bei so manchen Menschen die Dauerbetroffenheit darob schon etwas scheinheilig. Die Frage des Für und Wider in Sachen Panzerlieferungen von deutscher Seite spaltet die Gesellschaft. Umso undenkbarer erscheint die Möglichkeit einer rein affirmativen Inansichtnahme von «Kriegsgerät» auf...

Im Garten Eden

Oper trifft auf Clubkultur – kreative Reform oder Höhepunkt der Gentrifizierung? In Kooperation mit dem Neuköllner Rollbergkiez brachte die Komische Oper Berlin nun ein Festival für modernes Musiktheater ins Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei, wo heute unter anderem der beliebte SchwuZ-Club residiert. 

Viel Subkultur wagte das als experimentierfreudig bekannte...

Das Menetekel

Am Anfang das (stumme) Rauschen des Wassers, in Form eines von Céline Baril auf die sandfarbenen Mauern von Babylon projizierten Videos. Am Ende das leise Gebet zum Schein der Kerzen, ein vielstimmiges «Amen». Dazwischen: die Hölle auf Erden. Händels «Belshazzar» in der Halle E des Wiener Museumsquartiers ist nichts für Kulinariker, die in barockoratorischen...