Todesvogel wider Willen

St. Gallen, Mayr: Medea in Corinto

Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den Hochzeitsaltar von Giasone und Creusa und lässt unheimliche Vogelschatten durch den Raum flattern. Medea trägt Trauer. Eine verlassene Mutter.

Ihre beiden Kinder, die sie gemeinsam mit Giasone hat (gesungen vom hellen, etwas engen Tenor Mark Milhofer), werden immer wieder ins Bühnengeschehen eingebunden. Medea ist ganz liebende Mutter – und zeigt doch am Ende ihre blutigen Hände, die vom Mord künden. Zu Beginn fehlen Angela Fouts Sopran noch Farbnuancen. Ihr Vibrato ist eine Spur zu ausladend, die Koloraturen sind nicht ganz ausgeglichen. Aber die darstellerisch starke Amerikanerin steigert sich enorm und findet im zweiten Akt zu überaus eindringlichen Momenten.
Gespielt wird die neue Fassung der historisch-kritischen Werkausgabe von Ricordi, die unter anderem für die Titelpartie im ersten Akt eine zusätzliche, bei der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fordern und gefordert werden

Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste....

Frischer Wind aus Moskau

Das Moskauer Bolschoi Theater gilt westlichen Besuchern als Opernmuseum schlechthin, und es hat sich bis vor Kurzem auch selbst so definiert. Ein schönes Beispiel bietet die Inszenierung des «Eugen Onegin» von 1944, die mehr als sechs Jahrzehnte auf dem Spielplan des Hauses stand und im Jahr 2000 von dem unlängst verstorbenen Regisseur Boris Pokrovsky noch einmal...

Mittendrin

Der Wunsch, Wagners «Ring» komplett auf die Bühne zu bringen, ist weltweit zu einer Art Kraftprobe geworden, die mehr und mehr Häuser bestehen wollen. Wenige haben dabei so viel Mut wie das Teatro São Carlos. Dass die Planer in Lissabon erst fünf vor zwölf von den öffentlichen Geldgebern erfuhren, wie viel Geld sie zur Verfügung haben, machte die Sache nicht...