Todesgemeinschaft

Dresden, Schoeck: Penthesilea

Einundachtzig Jahre nach ihrer Uraufführung im Januar 1927 hat die Dresdner Semper-Oper Othmar Schoecks Kleist-Oper «Penthesilea» erneut auf den Spielplan gesetzt und damit nach der Basler Produktion vom vergangenen November (siehe OW 12/2007) ein weiteres Mal die Lebensfähigkeit des selten gespielten Werkes bewiesen.

In seiner strengen Inszenierung hat Günter Krämer sich weit stärker als Hans Neuenfels in Basel auf die Liebestragödie von Penthesilea und Achilles konzentriert, die sich auf dem Schlachtfeld begegnen, die Urfeindschaft der Geschlechter nicht überwinden können und nur in der Todesgemeinschaft zueinander finden. Krämer setzt dabei auf einfache, aber wirkungsvolle optische Kontraste. Jürgen Bäckmann hat ihm auf die leere Bühne ein großes, flaches Podest gesetzt, auf dem eingangs die kriegerischen Auseinandersetzungen der Amazonen und der Griechen stattfinden. Nach der Niederlage Penthesileas durch Achilles hebt sich das Podest in die Vertikale und präsentiert frontal die beiden wie in einem Netz gefangenen Protagonisten, die sich langsam von der jetzt goldschimmernden Spiegelwand abseilen. Später schließt Bäckmann den Raum durch ­einen schwarzen Vorhang, so dass sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Operntod am Valentinstag

Mimì strahlt. Frisch erwachte Liebessehnsucht zu Rodolfo steht ihr ins Gesicht geschrieben. Dabei müsste sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon eine Leiche sein, den Opernfilmtod ist sie bereits am Valentinstag gestorben. Ins melodisch verklärte Ende gehustet hat sich die moribunde Anna-Mimì, der die Kunst der Maskenbildnerei selbst die wonnige Kindshoffnung aus...

Stimmen, Laute, Geräusche

Der Tarnhelm ist ein roter Zahnputzbecher. Durch ihn hat sich Alberich in einen Riesenwurm verwandelt – und auch der braucht keine grüne Schuppen, Bühnen­nebel und Bodenversenkung. Der Schau­spieler Stefan Kaminski, von eher zier­licher Figur, steigt in Jeans und T-Shirt auf seinen Drehstuhl und schlägt sich wild auf die geschwellte Brust. Die junge...

Kreativer Pragmatismus

Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen...