Kühle Eleganz, lässige Perfektion

Zum Tod von Lorin Maazel

Eine frühe Aufnahme ist erhalten, aus den Sechzigern dürfte sie sein. Da steht er vor dem Orchester der römischen RAI, jung, rank, Afro-Frisur, und entfesselt Wagners «Meistersinger»-Vorspiel. Doch kein Stürmer und Dränger ist am Werk, der jugendfrisch charmiert. Lorin Maazel war schon viel weiter. Mit der Rechten werden die Wogen energisch kanalisiert, der Taktstock wird geführt wie eine Verlängerung des Zeigefingers, die Linke unterstützt formend. Ab und zu knicken die Handgelenke ein: ein T(r)ick, der Lässigkeit und Souveränität zugleich ausstrahlt.

Einmal, nach der Vorwegnahme der Prügelfuge, wenn sich das Geschehen beruhigt, tut Maazel fast gar nichts mehr, gibt abgeklärt Minimalsignale. Und das Orchester, man kann sich das gut ausmalen, muss spätestens jetzt Wachs in seinen Händen gewesen sein.

So viel hatte sich seitdem gar nicht verändert. Überlegenheit, Perfektion, ein Handwerk nahe der Vollkommenheit, das kommt einem am ehesten bei diesem Ausnahme-Maestro in den Sinn. Am 13. Juli ist er in Castleton (Virginia) an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. 84 Jahre alt wurde Lorin Maazel, im März hatte er seine letzten Konzerte dirigiert, bei seinen Münchner ...

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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Markus Thiel