Tiefgründig

Verdi: Macbeth
WIEN | STAATSOPER

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Krähe, wunderliches Tier. Hockt da dürrbeinig auf der Stuhllehne, neigt, wie von Geisterhand berührt, von Zeit zu Zeit den Kopf, lauscht dann erneut dem leisen Gesang der dem Wahn Verfallenen, die im wallend weißen Nachthemd vor ihr sitzt und manisch die Hände aneinanderreibt, so als könne sie damit jene schwere Schuld tilgen, die sie auf sich geladen hat. Schon in Schuberts «Winterreise» stand der merkwürdig-verschrobene Vogel für Vergänglichkeit, für Irritation, ja für den Tod. Und so ist es auch hier.

Lady Macbeth hat ihr Leben verwirkt, nun bleibt ihr nur noch diese letzte große Abschiedsszene: «Vegliammo invan due notte», nachtwandlerischer Gesang, mehr Traumbild als Realität, gespickt mit zauberhaftesten Pianissimo-Tönen und weitgespannten, sich ins Herz bohrenden Linien.

Maria Callas hat die Partie nur einmal auf der Bühne gesungen, sie war die vielleicht beste Lady aller Zeiten. Doch Anna Netrebko kommt ihr in der Wiener Staatsoper nun sehr, sehr nahe. Ihr Sopran besitzt eine ähnlich suggestive Energie, diesen kaum spürbaren Hauch des Entrückten, der für diese Gran Scena del Sonnambulismo im vierten Akt von Verdis Musikdrama «Macbeth» eine so ungeheure Wirksamkeit ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten

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