Phönix aus der Asche

Kurz nach der Eröffnung vor zehn Jahren stand das Baden-Badener Festspielhaus vor der Pleite. Heute läuft das mit privatem Geld betrie­bene Kulturunternehmen blendend – nicht zuletzt dank unorthodoxer Strategien des Intendanten Andreas Mölich-Zeb­­hauser.

Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und Altenheim für wohlhabende Pensionäre zu firmieren.

Man wollte das Image liften, auf internationalem Parkett mitmischen, ein bisschen Kultur­metropole spielen – und erhielt dafür den Segen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Also musste der mit dem Bau beauftragte Wiener Architekt Wilhelm Holzbauer nicht kleckern, er konnte ordentlich klotzen: Mit 2500 Sitzplätzen wurde das Baden-Badener Festspielhaus zum zweitgrößten Opernhaus Europas. Doch schon drei Monate nach der offiziellen Eröffnung vor zehn Jahren drohte dem Festspielunternehmen die Pleite: Teure Karten, verfehltes Marketing und ein falsches Betreiberkonzept  lie­ßen die Schere zwischen den hohen Erwartungen und einem verstörend mä­ßigen Publikumsinteresse weit ausei­nanderklaffen. Die Konsequenz: Bereits im Sommer 1998 drehte die private Trägergesellschaft DEKRA ...

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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Theaterporträt, Seite 68
von Albrecht Thiemann

Vergriffen