Hexengrüße aus dem Ural

Teodor Currentzis schließt in Perm seinen Mozart/Da Ponte-Zyklus ab. Inzwischen gibt es «Così fan tutte» auf CD

Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten Paganini-Film stammen. Er verkörpert die Aura des diabolisch-genialischen Menschenfängers. Einer, der alles will, alles kann und alles darf. Einer, der himmlisch zaubert, weil er eigentlich aus der Hölle kommt.

Einer, der so besessen ist von sich selbst, dass er die anderen um sich herum elektrisiert. Teodor Currentzis weiß um diese Aura. Er sucht sie, er pflegt sie, er nutzt sie – und er verdichtet sie zur Pose.  

Auf dem Klassik-Markt sind das beste Voraussetzungen, um aufzufallen. Wo Mainstream herrscht und das Risiko kalkuliert wird, kommt dieser Mann wie gerufen. Er ist eine Marke, ohne dass man ihn dazu machen müsste. Er gibt den Wüstling und sorgt doch für höchst erfolgreiche Produktionen. In Madrid hat er mit Purcells «Indian Queen» für Furore gesorgt, in Bregenz mit Weinbergs «Passagierin», in Zürich mit Schostakowitschs ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch