Tenor mit Komfortzone

Seit seinem Bayreuther Stolzing hat sich Klaus Florian Vogt einen Namen als Tenor mit beinahe unbegrenzten Reserven gemacht. Aber nicht unter stimmlichem Hochdruck, sondern mit lyrischer Grundierung. Bei dieser Leichtigkeit soll es für den ehemaligen Hornisten auch bleiben, der auf dem Grünen Hügel gern im Wohnmobil vorfährt und neben dem Sängerberuf furchtbar gern Familienvater ist.

Immer wieder Lohengrin: Seit seinem Rollendebüt 2002 in Erfurt hat sich Klaus Florian Vogt zu einem der begehrtesten Schwanenritter entwickelt. Ob in Baden-Baden, Köln oder Berlin: Diese Partie zeigt den Tenor von seiner besten Seite. Vogt, Jahrgang 1970, verfügt über einen lyrisch grundierten, jugendlichen Heldentenor, der große Orches­terwogen durchdringt, ohne forcieren zu müssen. Das findet man selten.

Die Leichtigkeit seiner Tonproduktion wirkt sich positiv auf die Spielfreude des Sängers aus, der beispielsweise in den aktuellen Bayreuther «Meis­tersingern» sportlich gefordert ist. Und als Besucher einer «Lohengrin»-Vorstellung mit Vogt kann man sicher sein, dass der Tenor die Partie nicht nur durchsteht, sondern bis zum Schluss aus einer echten «Komfortzone» ­heraus gestaltet: «Wenn ich im dritten Akt in der Gralserzählung die ‹Taube› noch so leicht setzen kann, gehe ich davon aus, dass ich die drei, vier Stunden vorher nicht allzu falsch gesungen habe», meint Vogt im «Opernwelt»-Gespräch. Solche musikalischen Gradmesser kennt man auch als Zuhörer, allerdings oft von der schmerzhaften Seite: Wann hat man – in dieser Zuverlässigkeit – das hohe «Elsa» des zweiten Aktes so zart ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Porträt, Seite 38
von Claus Ambrosius

Vergriffen
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