Tell auf Schottersteinchen
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation dieser Fassung, mit Ausnahme von Lamberto Gardellis Einspielung von 1972 (die in Teilen von der hier gespielten abweicht), dürftig ist, sollten wir uns über diese Produktion sowohl aus repertoiretechnischer wie aus künstlerischer Perspektive freuen. Denn in der Titelrolle haben wir es mit einem vortrefflichen Tell zu tun. Thomas Hampson trifft einen beglückenden Ton zwischen gestalterischem Freiheitsdrang und Notentreue. Seine Arie «Soi immobile» zeigt sein sicheres Gespür fürs Französische; auch wenn er die Stelle «invoque Dieu, c’est lui seul, mon enfant» zu einer zusammenhängenden Phrase bindet, zeigen sich Hampsons gestalterische Intelligenz und sein atemtechnisches Rüstzeug. Die Ausrufe «Jemmy, Jemmy» spiegeln väterliche Ergriffenheit und besiegeln die Echtheit seiner Gesangskunst. Hampson trägt und prägt diese ...
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Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete....
Viel fehlte nicht, und das vermutlich merkwürdigste Relikt aus Wagners tristester Lebensphase wäre im Orkus der Musikgeschichte verschwunden: Nur ein einziges gedrucktes Exemplar seiner 1840/41 entstandenen Bearbeitung von Donizettis «La Favorite» für zwei Violinen hatte sich im Nachlass des französischen Pianisten und glühenden Wagnerianers Alfred Cortot erhalten...
Die wirkungsvollste und geschlossenste aller Verdi-Ouvertüren, die zur «Macht des Schicksals», beginnt mit sechs leeren Oktaven. Sechsmal der Ton «e» in Fagott, Hörnern, Trompeten und Posaunen. Sechsmal mit Akzent. Wenn dieses «e» unentschieden, orientierungslos geblasen wird, quasi als Unterbrechungsversuch des Parkett-Gemurmels, dann wird schnell ein schlechtes...
