Tänzerischer Charme

Karlsruhe, Händel: Giulio Caesare in Egitto

Was macht man mit dem Titelhelden? Besetzt man die gro­ße Kastratenpartie in Händels 1724 uraufgeführter Oper «Giulio Cesare in Egitto» mit einer Altistin oder ­einem Kontratenor? Oder vielleicht sogar mit einem ­Bariton, wie es vor dem Siegeszug der historischen Aufführungspraxis üblich war? Das Badische Staatstheater Karlsruhe entschied sich bei dem opulenten Historiendrama, das die 31. Händel-Festspiele eröffnete, für Franco Fagioli – und machte damit alles richtig.

Wenn der argentinische Countertenor mit seinem betörenden Timbre vom kernigen Brustbereich in schwindelerregende Höhen steigt, dann verleiht er dem römischen Imperator männliche Durchschlagskraft und zugleich weibliche Geschmeidigkeit.
Dass dieser Abend musikalisch etwas ganz Besonderes werden würde, ahnte man bereits in der von der Badischen Staatskapelle federnd musizierten Fuge der Ouvertüre. Michael Hofstetter gleicht am Dirigentenpult einem Tänzer, der die verschiedenen Affekte und Klanggesten auf spielerisch-theatralische Art miteinander verbindet. Auch wenn das Continuocello an diesem Abend manches Mal deutlich neben der Spur liegt und die instrumentale Mischung von Alt und Neu besonders bei den Holzbläsern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Abgekühlt

Kann man ein Märchen ohne Emotionen erzählen? Ohne Wärme und ohne Fantasie? «A Flowering Tree» von John Adams, uraufgeführt bei Peter Sellars’ Wiener Mozartfest im November 2006, handelt von dem Mäd­chen Kumudha, das sich in einen blühenden Baum verwandeln kann. Die Metamorphose zum Baum und wieder zurück dient dem Lebensunterhalt der Mutter, die Blüten verkauft...

Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Mit dem Serail als Fluchtort erotischer Fantasien hat Johan Simons nicht viel im Sinn: Von der ganzen Türkenpracht ist in seiner Inszenierung von Mozarts «Entführung» nur eine schäbige Kulisse geblieben – und selbst die kracht am Ende noch zusammen. In einem heruntergekommenen Boulevardtheater lässt der niederländische Schauspielregisseur und künftige Leiter der...

Vandalismus

Paul Dukas’ «Ariane et Barbe-Bleue» ist einer der gro­ßen Opern-Solitäre des beginnenden 20. Jahrhunderts – ein musikalisches Meisterwerk, das gleichberechtigt neben Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» steht. Wesentlichen Anteil an der Faszina­tion, die das Werk ausstrahlt, hat der rätselhafte Text des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck,...