Surreale Welt

Vollmer: Gegen die Wand (Stuttgart)

Am Anfang stand ein Film, Fatih Akins preisgekröntes Leinwanddrama «Gegen die Wand» mit einem Stoff von heute, wie er in den Türkenvierteln deutscher Städte zum Alltag gehört. Sibel geht eine Scheinehe mit dem lebensmüden Cahit ein, um endlich aus dem Gefängnis des Elternhauses ausbrechen und sich ins Großstadtleben mit all seinen Verlockungen und Auswüchsen stürzen zu können. Aber auch draußen knallen die beiden Außenseiter überall gegen Wände.

Cahit, der sich – wider Willen – doch noch in Sibel verliebt, bringt einen ihrer Liebhaber um und landet im Gefängnis.

Sibel führt mit Freund und Kind ein neues Leben in Istanbul, Cahit folgt ihr und findet sie. Und doch hat ihre Liebe keine Zukunft.

Ludger Vollmer hat das Kunststück fertiggebracht, die Filmvorlage zu einer Oper einzudampfen, die mit wenig (mal deutschem, mal türkischem) Text auskommt und der Musik viel Raum lässt – eine fetzige Mixtur aus E und U, aus europäischen und türkischen Klängen, Jazz- und Discosound, in die sich Gott sei Dank nur selten gewöhnliche Operngesten verirren. Im klein besetzten Orchester lassen neben den dröhnend-harten Schlagzeugsoli vor allem orientalische Zupfinstrumente wie Quãnun und Sãz oder die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Dunkel der Seelen

Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...

Aufgefrischt und konserviert

Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde...

Innenwelten

Jubiläen werden gefeiert, wie sie fallen, aber nicht immer kommen dabei auch interessante Erkenntnisse, neue Lesarten, gelungene Aufführungen heraus. Die ostdeutsche Provinz legt nun im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns gleich zwei starke Inszenierungen von dessen einziger Oper «Genoveva» vor – ein Stück also, das Zuwendung wirklich nötig hat, denn es wird bis...