Strahlen eines unbekannten Sterns
Der Dichter sprach. Und er sprach in höchsten Tönen – von einem Komponisten, dessen Œuvre nur einem engeren Expertenkreis wirklich grundlegend bekannt, dessen Rang auch deswegen in der Musikgeschichte bis heute umstritten ist.
Für Marcel Proust, der in seinem Hauptwerk «À la recherche du temps perdu» hinlänglich seine Affinität zur Musik bekannte, bestand diesbezüglich kein Zweifel; für ihn war Camille Saint-Saëns ein «Herrscher über die Geister der Musik und des Gesangs«, ein Künstler, der «über alle Geheimnisse gebietet, selbst über das, jedem drohenden Annäherungsversuch rechtzeitig durch Flucht zu entkommen, immer unfassbar zu sein», kurz: ein Chamäleon, das sich auch in musikästhetischer Hinsicht kaum unter einen Hut zwängen lässt.
Klaus Heinrich Kohrs, renommierter Musikwissenschaftler mit veritabler Bruckner-Neigung und aus -gewiesener Kenner der französischen Musik (insbesondere der Opern des 19. Jahrhunderts von Berlioz und Meyerbeer bis Bizet und Massenet), hat nun im Wolke Verlag einen scharfsichtigpointierten Essay vorgelegt, der einiges Licht ins Dunkel bringt und sich anhand exzellenter Werkexpertisen dem «Phänomen» Saint-Saëns nähert. Überschrieben ist der schmale, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Virginie Germstein
Wahrscheinlich kann man in keiner Münchner Edelboutique das mintgrüne Ungetüm von Kleid nebst turmhohem Federbusch erstehen, das Andrew Watts als Prinz Orlofsky im zweiten Akt trägt. Erst recht nicht die gelb-rosa-silbernen Blumenhauben, Dekolletés, Zylinder, Perlenschnüre und falschen Bärte, die Klaus Bruns dem Chor der Bayerischen Staatsoper verpasst hat. Barrie...
Was wäre die Oper ohne die Liebe, ohne Venus, Amor und die durch sie erregten widersprüchlichen Emotionen? Das fragen die Sopranistin Marie Perbost wie der Haute-Contre Cyrille Dubois in ihren Recitals und haben dafür die französische Barockoper während der langen Herrschaft Louis‘ XV geplündert, als sich gegenüber den zeremoniellen Tra -gödien Lullys ein neuer...
Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will. Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende...
