Anarchisch frisch

Imaginäres Theater: Stockhausens «Momente» in der Fassung von 1965

Theodor W. Adorno vertrat die These, dass die Qualität des Spätwerks den Rang eines Künstlers ausmache. Für Beethoven, Wagner, Bruckner, Janácek trifft dies wohl zu. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Schon bei Schumann wird gestritten, ob die frühen Werke inspirierter seien als die späteren. Bei manchen Komponisten scheinen die «reifen» Werke eher einfacher, bei anderen, Bach beispielsweise, ist die Faktur komplizierter geworden.

Derzeit lässt sich eine Tendenz zu ­einer Art Sakralisierung letzter Wer­ke beobachten.

Beethovens Quartette, Sonaten und die Diabelli-Variationen, Mozarts Sinfonie-Trias Nr. 39-41 geben den Ton an, leider oft auf Kosten der mittleren und frühen Phase: Wobei es schwer genug ist, die Stilsphären auseinanderzuhalten. Gern hat man etwa den früheren, «politischen» Nono gegen den «Prometeo»-Wanderer ausgespielt. Auch bei Stockhausen ist der «Licht»-­Zyklus ab 1977, mitsamt seinen Ablegern, in den Fokus gerückt (siehe auch Seite 16 und 31).

Stockhausen-Gegner stellten nicht selten die kompositorischen Qualitäten gegenüber ideologischen Einwänden hintan – und nicht wenige Kenner trauern der Zeit vor 1977 nach. Ganz unrecht haben sie nicht: Die ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard R. Koch