Stimmschön ins Unglück

Venedig, Janácek: Sarka / Mascagni: Cavalleria rusticana

Die gute Idee, «Cavalleria rusticana» mit einer anderen Kurzoper als Leoncavallos ständig anberaumten «Pagliacci» zu kombinieren, hat das Teatro La Fenice schon häufiger gehabt. In den vierziger Jahren etwa gab man zu Mascagnis Erstling «Madonna Imperia» von Franco Alfano sowie Riccardo Zandonais «La via della finestra». In dieser Spielzeit gelang nun eine besonders seltene Zusammenführung. Dem sizilianischen Schmachtfetzen ging «Sárka» von Leos Janácek voraus.

Die erste, gleich umwerfend gelungene Oper des tschechischen Komponisten wurde bereits 1888 vollendet, musste aber wegen eines Rechtsstreits um das Libretto bis 1925 in der Schublade warten, bis es zur Uraufführung in Prag kam. Janácek erprobte mit «Sárka» jene Sprachmelodik, die er später in «Jenufa» oder «Katja Kabanova» zur Vollendung führen sollte – eine eigene, aus dem Tschechischen mit seinen vielen Konsonanten und lang gedehnten Vokalen kristallisierte Musiksprache, die Janácek unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts als Solitär erscheinen lässt. Die traurige Liebesgeschichte um Sárka und ihren geliebten Feind Ctirad entstammt der tschechischen Dalimil-Chronik aus dem 14. Jahrhundert, die auch schon Janáceks großes ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Birgit Pauls

Vergriffen
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