Stil statt Stimme

Französische Meister aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Geschichte des Operngesangs im Frankreich des 20. Jahrhunderts ist ein trauriges Kapitel: Galt um 1900 Paris mit seiner prunkvollen Opéra noch als Opernhauptstadt der Welt, war ein halbes Jahrhundert später von der alten Herrlichkeit so gut wie nichts mehr übrig.

Die französischsprachigen Grand Opéras von Gounod, Thomas und Meyerbeer waren überall in der Welt von den Spielplänen verschwunden, und selbst bei den Werken, die sich im Repertoire gehalten hatten, wurden die stilistischen Leitbilder spätestens seit Ende des Ers­ten Weltkriegs nicht mehr in Paris, sondern in New York aufgestellt: Gigli, Schipa und Björling gaben vor, wie Faust, Werther und Romeo zu singen waren, der originär französische Opernstil wurde trotz imponierender Ausnahmeerscheinungen wie Georges Thill und Ninon Vallin zum Regionalphänomen. Eine Entwicklung, die sich heute noch daran zeigt, dass es auf dem CD-Markt von An­tho­logien mit Met-Stars der ersten Jahrhunderthälfte nur so wimmelt, französische Sänger dieser Zeit (bis auf Thill, dessen Aufnahmen bei EMI ausgiebig dokumentiert sind) jedoch nur am Rande und in Einzelveröffentlichungen von Spezialistenlabels auftauchen. Selbst der französische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Platten, Seite 62
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die verlorene Ehre der Katerina

Virtuos ist diese Musik nicht, weil sie dem Orchester Virtuoses abverlangt. Das tut sie sowieso. Virtuos ist, wie sie zwischen der unerträg­lichen Leichtigkeit des Seins und der nicht weniger unerträglichen Ernsthaftigkeit des Scheins pendelt. Es ist ja, auch wenn man es oft lesen kann, nicht so, dass Schostakowitsch seine Titelheldin nur oder vor allem auf die...

Manege frei

Die Produzenten des Gruberova-Labels Nightingale hatten den richtigen ökonomischen Riecher, indem sie diesen «Barbier» erst mal sieben Jahre im Archiv bunkerten: In der Zwischenzeit hat sich der Marktwert des Konzertmitschnitts schätzungsweise verdoppelt. Denn wäre die Aufnahme bereits Ende der neunziger Jahre veröffentlicht worden, wäre sie als reiner...

Gespensterstunde

Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten...