Statisch und stilisiert

Der Zürcher «Doktor Faust» unter Philippe Jordan in der Regie von Klaus Michael Grüber auf DVD

Ferruccio Busonis Hauptwerk «Doktor Faust», eine der wichtigsten Opern aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, wird noch immer selten gespielt. Das liegt nicht zuletzt an den Schwierigkeiten einer sinn­lichen Realisierung der Partitur, die viele Einflüsse von Wagner über Puccini bis Mahler verarbeitet und deren ausgefeilte Kontrapunktik sich mit zahlreichen Fernchören und Bühnenmusik oft quasi oratorisch entfaltet.

Auf zwei Studioaufnahmen – aus dem Jahr 1969 unter Ferdinand Leitner mit Dietrich ­Fischer-Dieskau und William Cochran sowie unter Kent Nagano von 1999 mit Dietrich Henschel und Kim Begley als Faust und Mephis­topheles – folgt nun als erste Ver­öffent­lichung auf DVD die Zürcher Produk­tion unter Philippe Jordan von 2006.
Doch die Freude darüber, dass dieses Werk endlich als musikdramatisches Ganzes verfügbar ist, wird getrübt durch die allzu statische Inszenierung von Klaus Michael Grüber, deren Magie der Langsamkeit sich vielleicht im Theater vermittelt, kaum aber in Halbtotale und Nahaufnahme. Die Bildregie (Philipp Breisach) tritt die Flucht nach vorn an und versucht, so viel wie möglich von der Totale einzufangen: also vom riesigen Kabinett Fausts aus Nischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: DVDs, Seite 56
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gezügelte Fantasie

Zur Eröffnung des neu erbauten Teatro La Fenice am 16. Mai 1792 schrieb Graf Alessandro Pepoli, ein brillanter venezianischer homme de lettres, das ambitionierte Fami­lien­drama «I Giuochi d’Agrigento» («Die Sportwettspiele von Agrigent») und Giovanni Paisiello, der gerade mit seiner sensationell erfolgreichen «Nina» ein neues Genre in Europa etabliert hatte, eine...

Lust und Unlust im Orchestergraben

Staatsoperndirektor Ioan Holender nennt die Wiener Philharmoniker gern «das bes­te Opernorchester der Welt». Nicht alle freilich teilen seine Meinung, speziell hinsichtlich der Darbietungen im Opern­alltag. Schuld an der gelegentlich hörbaren Unlust der Musiker seien, heißt es, deren Unterdotierung sowie das leidige Rotationsprinzip und, damit verbunden, auch jenes...

Nicht nur Wagner

Auf das Wort «Heldentenor» reagiert er allergisch. Obwohl Hermin Esser alle Kriterien eines solchen erfüllt hat. Aber: «Diese Einteilerei von heute in die Fä­cher, die geht mir auf den Geist. Denken Sie zum Beispiel an Lilli Lehmann, die sang Zerline und Donna Anna wechselweise. Daneben Norma, die Philine in ‹Mignon›, die Isolde und die Brünnhilden. Heute denkt man...