Standbilder
Eigentlich dachten wir, die Mode, unerfahrenen Filmleuten Regieaufgaben in der Oper anzuvertrauen, sei vorbei. Zu oft waren Häusern, die auf die Zugkraft prominenter Namen gesetzt hatten, die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit auf die Füße gefallen. Kino und (Musik-)Theater, das sind eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe. An der English National Opera indes verspricht sich Artistic Director John Berry nach wie vor ästhetisch fruchtbare Impulse von Künstlern, die ihren Ruf nicht auf der Bühne, sondern am Set und hinter der Kamera erworben haben.
Berrys jüngster Coup: Mike Figgis («Leaving Las Vegas», «Internal Affairs») hatte sich überreden lassen, im Coliseum Donizettis «Lucrezia Borgia» zu inszenieren.
Es war das erste Mal, dass Figgis sich auf das Abenteuer Oper einließ. Und weil ihm die Geschichte der Serienkillerin, die ihren verlorenen Sohn wiederfindet, in der krausen Version von Donizettis Librettisten Felice Romani ein Buch mit sieben Siegeln geblieben war, drehte er in einem italienischen Palazzo vier Kurzfilme über das Leben der historischen Lucrezia, kurz bevor sie Gennaro zur Welt bringt. Sie erzählen vom Vater, Papst Alexander VI., und dem cholerisch-brutalen Bruder ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Albrecht Thiemann
Die Opera North ist inzwischen die einzige britische Kompanie außerhalb Londons, die es richtig macht: Sie hat zwar kein eigenes Ensemble, besetzt die Rollen jedoch aus einem Pool von Künstlern, die dem Publikum bekannt sind. Außerdem hat sie ein breit gefächertes Repertoire inklusive neuer Werke auf dem Spielplan und verpflichtet größtenteils anerkannte...
Im Februar stand der Spielplan des Stuttgarter Opernhauses ganz im Zeichen des Balletts, das seinen 50. Geburtstag feierte. Wer dennoch Lust auf Musiktheater hatte, konnte seine Neugier, abseits der üblichen Pfade, gleich zweimal befriedigen – mit Mozarts «La finta giardiniera» in einer szenischen Produktion der Musikhochschule im kleinen Cannstatter...
Man mag Barrie Kosky für einen zuweilen leichtfertigen Regisseur halten. Aber kaum je für einen langweiligen. Mit dieser angelsächsischen Tugend könnte ihm noch einmal die Schlüsselrolle zufallen, aus den Einbahnstraßen eines inzwischen oft verbraucht wirkenden Regietheaters Auswege zu finden. Mit «Rusalka» jedenfalls gelingt ihm in Berlin nicht nur ein Votum für...
