Standbilder
Eigentlich dachten wir, die Mode, unerfahrenen Filmleuten Regieaufgaben in der Oper anzuvertrauen, sei vorbei. Zu oft waren Häusern, die auf die Zugkraft prominenter Namen gesetzt hatten, die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit auf die Füße gefallen. Kino und (Musik-)Theater, das sind eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe. An der English National Opera indes verspricht sich Artistic Director John Berry nach wie vor ästhetisch fruchtbare Impulse von Künstlern, die ihren Ruf nicht auf der Bühne, sondern am Set und hinter der Kamera erworben haben.
Berrys jüngster Coup: Mike Figgis («Leaving Las Vegas», «Internal Affairs») hatte sich überreden lassen, im Coliseum Donizettis «Lucrezia Borgia» zu inszenieren.
Es war das erste Mal, dass Figgis sich auf das Abenteuer Oper einließ. Und weil ihm die Geschichte der Serienkillerin, die ihren verlorenen Sohn wiederfindet, in der krausen Version von Donizettis Librettisten Felice Romani ein Buch mit sieben Siegeln geblieben war, drehte er in einem italienischen Palazzo vier Kurzfilme über das Leben der historischen Lucrezia, kurz bevor sie Gennaro zur Welt bringt. Sie erzählen vom Vater, Papst Alexander VI., und dem cholerisch-brutalen Bruder ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Albrecht Thiemann
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
«Gar viel und schön ward hier in dieser Halle von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen.» Den Begrüßungsworten des Landgrafen aus dem zweiten Akt von «Tannhäuser» möchte man hinsichtlich Bayreuths ein Fragezeichen hinzufügen: Viel ja, schön öfter – doch auch am besten? Dass sich auf dem Grünen Hügel die jeweils herausragenden Wagner-Sänger einer Generation...
Als der irakische Vizepräsident Mullah Bakhtiyar am 26. November letzten Jahres auf der Premierenfeier die nagelneue Kölner «Entführung» in den Irak einlud, rechnete wohl niemand ernsthaft damit, dass die Oper drei Monate später tatsächlich mit einer hundertköpfigen Truppe in die Krisenregion aufbrechen würde. Niemand ahnte damals auch, wie dramatisch sich die...
