Späte Premiere

Glyndebourne: Britten: Billy Budd

Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang eine gewisse Mrs.

Campbell, die den Skandal um Oscar Wilde und seinen Liebhaber «Bosie» Lord Douglas folgendermaßen kommentierte: «What people do with their wobbly parts is supremely uninteresting as long as they don’t frighten the horses». Da nicht bekannt ist, dass der Komponist Benjamin Britten im Privatleben je Pferde erschreckt hätte, war auch seine Veranlagung kaum Gegenstand öffentlichen Interesses. Ob und wieweit diese in «Billy Budd» eingeflossen sind (Britten hat sich darin bekanntlich auch seine Erfahrungen als Internatszögling von der Seele geschrieben), interessierte kaum jemanden.

Traf dies auch auf Glyndebourne zu? Dass das Stück erst jetzt, ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung (1951), auf die Bühne des Hauses in den Sussex Downs kam, scheint merkwürdig. Erwarb sich das von Opernliebhaber John Christie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf der Überholspur

C-Dur gilt als die Neutrale zwischen den Tonartenkreisen, als jene Skala, die keine bestimmte emotionelle Haltung einnimmt, sondern eher äußerlichen Glanz verkündet. Bei Mozart wirkt sie oft auch wie die Decke, die beschönigend über häusliche Unordnung geworfen wird, wenn Besuch kommt. Etwa im Finale von «Così fan tutte», da die verstörten Paare sich mühen, den...

Nicht nur Britten

Die größte Überraschung, die der Ausstellungsraum von Aldeburghs «Red House» derzeit zu bieten hat, dürfte ein kleiner vergilbter Zeitungsartikel sein. Er stammt vom Juni 1943 und berichtet von einer Aufführung des «Rigoletto» an Londons Sadler’s Wells Opera mit einem jungen Sänger namens Peter Pears in der Rolle des Herzogs von Mantua. Der damals 33-Jährige sollte...

Musik der Besessenheit

Viel zu tun bleibt für Macduff nicht mehr. Eingesunken in seinen Rollstuhl, zitternd und am lebendigen Leib von Geschwüren zerfressen, ist sein Feind Macbeth schon am Ende, bevor der Sieger zum finalen Schlag ausholt. Nicht die Rebellen sind es, die den Usurpator in Krzysztof Warlikowskis Inszenierung an der Brüsseler Monnaie-Oper für seine Gewalttaten bestrafen –...