Späte Premiere

Glyndebourne: Britten: Billy Budd

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Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang eine gewisse Mrs.

Campbell, die den Skandal um Oscar Wilde und seinen Liebhaber «Bosie» Lord Douglas folgendermaßen kommentierte: «What people do with their wobbly parts is supremely uninteresting as long as they don’t frighten the horses». Da nicht bekannt ist, dass der Komponist Benjamin Britten im Privatleben je Pferde erschreckt hätte, war auch seine Veranlagung kaum Gegenstand öffentlichen Interesses. Ob und wieweit diese in «Billy Budd» eingeflossen sind (Britten hat sich darin bekanntlich auch seine Erfahrungen als Internatszögling von der Seele geschrieben), interessierte kaum jemanden.

Traf dies auch auf Glyndebourne zu? Dass das Stück erst jetzt, ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung (1951), auf die Bühne des Hauses in den Sussex Downs kam, scheint merkwürdig. Erwarb sich das von Opernliebhaber John Christie ...

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Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché

Vergriffen
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