Sonne, Mond und Sterne
«Juditha triumphans» auf der Opernbühne? Ein venezianisches Publikum im 18. Jahrhundert hätte dagegen wohl Einwände erhoben: zu wuchtig der Klang des opulent besetzten Orchesters (zu teuer im Übrigen auch fürs Budget des Impresarios), zu viele Chöre und kein einziges Duett, die Hierarchie der Figuren zu flach, stattdessen gleich fünf Sängerinnen im Ensemble mit weitgehend gleicher Tessitura.
Kein schriller Kastratenpart, kein nachtschwarz polternder Bass – wie überaus ungewöhnlich, hochwürdiger Herr Vivaldi! Für uns dagegen sind das alles überhaupt keine Argumente gegen eine spannende Musiktheaterproduktion – lateinisches Libretto hin oder her.
Die Regisseurin Elena Barbalich hat den Versuch gemacht – und es ist ihr mehr recht als schlecht geglückt. Tableaux vivants illustrieren den Fortgang des Geschehens, gemessenes Schreiten und fließende Stoffe bestimmen die Bewegung. Subtil kommen feministische Symbolik und unterschwellige Erotik zur Geltung, gespeist aus griechischer Mythologie und barocker Malerei. Barbalichs Trumpfkarte aber ist die Lichtdramaturgie, die das Libretto bereits enthält: Sonnen- und Monduntergang, Sterne und Fackeln, Morgengrauen, Sonnenaufgang, strahlendes ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali
Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig...
Die diesjährige Operngabe des Mainfranken Theaters zum Würzburger Mozartfest erinnerte zwar weniger an die Musiktheatersphäre Mozarts als an das erst vorsichtig der barocken Repräsentativdramaturgie entwachsende Bühnenschaffen Haydns. Dennoch war es anregend, mit einem einst erfolgreichen Werk des venezianischen Meisters Baldassare Galuppi (1706-1785) Bekanntschaft...
Gespenstisch ist das. Weniger der Holländer selbst – eher, was sich in Balázs Kovaliks vieldeutig ironischer Inszenierung von Wagners Oper im Budapester Palast der Künste in den Chorszenen tut. In Reih und Glied, im Gleichschritt marsch, die Augen rechts, manche Gesten sind so hohl, dass ganze Völker darin Platz haben. Wimpel werden geschwungen, Nationalflaggen...
