«So mutig bin ich nicht!»
Herr Alagna, mit Rollen wie Énée und dem Cid haben Sie sich enorm entwickelt. Ist Vasco da Gama jetzt der größte Schritt für Sie?
Énée war ein viel größerer, ebenso Lancelot in «Roi Arthus» kürzlich in Paris. Und wenn man «Pagliacci» und «Cavalleria rusticana» an einem Abend singt, ist das auch kein Kinderspiel ... Also: nein, eigentlich nicht. Mit Eléazar in «La Juive» nächstes Jahr in München wird es für mich wieder schwieriger. Aber ich unterteile Rollen auch nicht in «leichte» oder «schwere».
Uns Sängern geht es immer darum, das Unmögliche zu erreichen – in jeder Partie. Man richtet sich das Leben nach Kräften unbequem ein! Ich dachte schon oft: Das schaff ich nicht. Und dann ging es doch.
Haben Sie zur Vorbereitung die großen Sänger der Grand Opéra studiert, etwa Léonce Escalais und César Vezzani?
Sicher! Ich bin Melomane und habe zu Hause eine große Schallplattensammlung. Auf einen idealen Meyerbeer-Sänger könnte ich mich allerdings nicht festlegen, die Opern sind einfach zu unterschiedlich. Dieser Komponist kommt mir wie ein Maler vor, der mal Öl, mal Pastell, mal eine Gouache-Technik verwendet. Sie können «Robert le Diable» kaum mit der «Africaine» und die wiederum nicht mit ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 88
von Kai Luehrs-Kaiser
Die Caracalla-Thermen in Rom haben schon einiges erlebt. Ihr Erbauer Kaiser Caracalla – er regierte im dritten Jahrhundert und hieß eigentlich Lucius Septimius Bassianus – ging als Terrorregent in die Geschichte ein. Im sechsten Jahrhundert zerstörten die Goten die Wasserzufuhr und machten dem Badebetrieb ein Ende. Renaissance-Päpste brachen die Marmorverkleidung...
Alles fließt, alles strömt dahin. Die Geschichte, die Bilder, die Inszenierung. Tom Cairns hat nach rund einem Vierteljahrhundert im vergangenen Sommer die erste neue «Traviata» für das Glyndebourne Festival inszeniert (siehe OW 9/2014). Doch leider fehlt der Produktion jeder Fokus: auf Gesellschaftskritik, auf die Welt des Geldes und Scheins, auf die privaten...
Aus Böhmens Hain und Fluren ist in Hannover ein eher abstrakter Ort geworden. Ausstatterin Dieuweke van Reij hat als Bühnenrahmen für Janáceks «Jenufa» die Umrisse eines Hauses zimmern lassen. Im Hintergrund eine stilisierte Hügellandschaft. Requisiten lassen auf Landlust (und Landfrust) schließen: Melkschemel, Zinkwanne, eine Wand von Getreidesäcken.
Weil...
