Sinnliche Regungen

Händel: Arminio Karlsruhe / Badisches Staatstheater

Opernwelt - Logo

Erfolg macht neugierig. Mindestens. Gelingt einem wie Max Emanuel Cencic denn wirklich alles? Der Countertenor ist ein Prometheus des Barockmusikbetriebs. Ein Interpret, der sein eigener Manager ist und (mit seiner eigenen Firma Parnassus) ganze Produktionen vermarktet. Einer, der sich aussuchen kann, mit welchen Sängern, Dirigenten, Orchestern er zusammenarbeitet. Da war der Griff zum Regiebuch wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit.



Tatort Karlsruhe, Händel-Festspiele: Die selten gespielte, 1737 uraufgeführte Oper «Arminio» (zu Lebzeiten des Komponisten ein Misserfolg) passt nicht nur ins Portfolio des Festivals, sondern auch in Cencics – die Gesamtaufnahme bei Decca, weitgehend in der Karlsruher Besetzung, erschien Anfang März. Barock-Business as usual also? Eben nicht. Cencics Regiedebüt ist mehr als ein umjubelter Publikumserfolg. Seine Inszenierung des barocken Psychodramas um den Cherusker Arminius und seinen römischen Gegenspieler Varus, der Arminius’ Frau Tusnelda so sehr begehrt, dass er um seiner Leidenschaft willen den besiegten Gegner freilässt und damit die eigene Niederlage besiegelt, funktioniert auf allen Ebenen.

Als erfahrener Interpret weiß Cencic, dass barocke ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Krachblechern

Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder ­abspenstig macht. Aber sie liebt ja...

Geschwärzte Herzen

Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.

Von äußerem...

Erratische Schönheit

Glöckchentöne einer Celesta. Gläserne Klangschlieren. Aus höchsten Fernen, raffiniert gemischt. Im ersten Moment ist kaum auszumachen, dass hier Piccoloflöten schwirren und Violinen flirren. So geht es los. Bald setzt die Stimme ein, behutsam, tastend, auf ruhigem Atem. «Let me tell you how it was», singt Barbara Hannigan, jeden Laut wägend, als suche ihr lyrisches...