Singendes Orchester
Gut fünfzig Jahre liegen zwischen diesen beiden «Zauberflöten»: Auf der einen Seite Joseph Keilberth, dessen im Dezember 1954 entstandene Aufnahme in eine Zeit fällt, als es vor Neueinspielungen dieser Oper nur so wimmelte. So wundert nicht, dass auch für seine WDR-Produktion zum Teil jene Sänger zur Verfügung standen, die bereits zuvor unter anderem auf den beiden EMI-Einspielungen unter Karajan bzw. Furtwängler zu hören waren: Wilma Lipp als Nacht-Königin und Erich Kunz als Papageno sowie (bei Furtwänglers Live-Mitschnitten von 1949 und 1951) Josef Greindl als Sarastro.
Auf der anderen Seite Claudio Abbado, dessen Aufnahme in eine Zeit fällt, in der CD-Produktionen der «Zauberflöte» zur Rarität geworden sind, in der – von verschiedenen DVD-Mitschnitten und der englischsprachigen Version unter Mackerras abgesehen – in den vergangenen zehn Jahren gerade mal eine Neuaufnahme (1997 unter Sigiswald Kuijken) veröffentlicht worden ist.
Natürlich spielen die beiden Orchester – das Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester unter Keilberth und das Mahler Chamber Orchestra unter Abbado – auf denkbar unterschiedlichen Niveaus, jeweils auf dem Hintergrund ihrer historischen Bedingungen. Die ältere ...
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Im Zuge seines langfristig angelegten Ausgrabungsprojekts von italienischen Raritäten aus dem frühen 20. Jahrhundert hat das römische Opernhaus «La leggenda di Sakùntala» (Die Legende der Sakùntala) zur Diskussion gestellt: Franco Alfanos zu Lebzeiten erfolgreiches, inzwischen vergessenes Hauptwerk. Es entstand nach einem selbstverfassten Libretto auf der Basis...
«Die Rezitative sind zwar musikalisch nicht außergewöhnlich, literarisch sind sie aber von erster Güte. Auch nur ein Wort zu streichen, wäre ein barbarischer Akt. Die musikalischen Schwächen können durch einen vollendeten Vortrag wettgemacht oder durch ‹Retuschen› behoben werden. Die erstere – eine Notwendigkeit – ist Aufgabe der Sänger, die zweite – eine...
Ein handfester Skandal zur Premiere oder schlicht und einfach das Prädikat: durchgefallen – das muss für eine Oper bekanntermaßen noch nicht die Versenkung im Orkus der Geschichte bedeuten. Siehe «Butterfly» und «Traviata» – eine kleine Änderung hier, eine andere Besetzung dort, und schon hatten Publikum und Geschichte ein Einsehen. Manchmal kommt der Erfolg aber...
